Willkommen unterm Regenbogen

Archiv für 03/11/2012

Märchenhafter „Fingerzeig“ der Woche… ;-)

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Der Brunnengeist

Ein Mann und eine Frau hatten einen Knaben. Weil sie aber so arm waren, dass nicht einmal die Asche in der Feuerstelle ihnen gehörte, sprach der Knabe, ich will dienen gehen und damit mich und euch ernähren.

Die Eltern begleiteten ihren Sohn ein Stück des Weges und an einem Brunnen mit klarem Wasser, setzten sie sich nieder um zu essen.
Dem Mann blieb ein Stück vom Kuchen, den die Mutter für den Sohn gebacken hatte, im Hals stecken und brachte es nur mit Mühe hinunter. Dabei seufzte er: „Hei, hei“!

Kaum hatte er das ausgesprochen, schlug das Wasser im Brunnen hohe Wellen und ein Brunnengeist stieg aus dem Brunnen. Dabei sprach er: „Ich bin Haihai, warum rufst du mich?“.
Vater und Sohn hatten erst Angst, erzählten ihm, nachdem er ihnen Mut zugesprochen hatte, doch Umstände und Zweck ihrer Reise.

Der Brunnengeist sagte: „Und wenn du 100 Jahre suchst, kannst du einen besseren Dienst nicht finden. Mein Jahr währt nur 3 Tage und wenn die verstrichen sind, will ich dich ganz in Kupfer kleiden“.
Nach einigem Zögern willigten sie ein und schon verschwand der Brunnengeist mit dem Knaben im Brunnen.

Nach 3 Tagen wartete der Vater schon ungeduldig und rief den Brunnengeist. Das Wasser im Brunnen schlug wieder hohe Wellen und der Geist erschien. Links und rechts hatte er einen Knaben, beide ganz in Kupfer gekleidet, die sich vollkommen ähnlich sahen.
Der Brunnengeist sprach: „Einer der beiden ist dein Sohn, vermagst du ihn zu erkennen, so mag er mit dir ziehen. Sonst muss er mir noch ein Jahr dienen“.
Der Vater glaubte schon sein Kind zu verlieren, dann sah er, dass einer die Haare nach rechts gekämmt trug, trat auf ihn zu…“Das ist mein Sohn!“.
Der Brunnengeist antwortete: „Er ist’s, aber wenn du ihn mir noch ein weiteres Jahr dienen lässt, will ich ihn ganz in Silber kleiden.“.
Der Vater wollte erst nicht, stimmte dann aber doch zu.

Als das Jahr um war, rief er wieder den Brunnengeist, der wieder mit zwei vollkommen gleich aussehenden Knaben erschien. Diesmal waren sie ganz in Silber gekleidet.
Der Vater glaubte wieder, sein Kind verloren zu haben, erkannte dann aber, dass einer den Gürtel enger geschnallt hatte und sagte: „Das ist mein Sohn“.
Und wieder antwortete der Geist: „Er ist’s, aber wenn du ihn mir noch ein weiteres Jahr dienen lassen willst, will ich ihn ganz in Gold kleiden“.

Das wollte der Vater dann aber doch nicht, zog mit dem Knaben heim und waren reiche Leute.
(Nach einem Märchen aus Siebenbürgen)

Und die Moral von der Geschicht‘, lässt sich gut mit einem Sprichwort erklären…“Besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“.

In einer Zeit, in der es oft nur um das Geld und immer mehr Geld geht, sollte so mancher mal darüber nachdenken, ob es denn jetzt nicht mal „gut“ ist. Bei zu großer Gier, kann man auch alles verlieren.

Und es zeigt, das Märchen nicht nur Geschichten für Kinder sind. Sondern auch mal von Erwachsenen gelesen werden sollten. Da sie immer einen tieferen Sinn und eine, durchaus oft aktuelle, Botschaft enthalten, über die es sich nachzudenken lohnt.

Wir wünschen allen Lesern einen märchenhaften Abend.

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