Willkommen unterm Regenbogen

Archiv für 20/11/2012

Briefe eines Soldaten… -7-

f. U. den 11.11. 1942

Meine liebe gute Mutti!

Nun ist wieder ein Tag vergangen, den ich nicht geschrieben habe.
Aber heute will ich’s nur nicht wieder versäumen….
Ist’s bei Euch auch schon so kalt?
Aber die Zeit ist eben da und wie lange wird es dauern, da ist der erste Advent und dann bald Weihnachten.
Dieses Jahr ist nun schon das dritte Weihnachten, was ich nicht bei Euch sein konnte. Aber vielleicht ist‘ s nächstes Jahr besser.
Oder sollte ich einmal das Glück haben auf Urlaub zu kommen? Das wäre doch herrlich! Sehne mich bald zu sehr mit dem Gedanken.

Nun will ich zum Schluß kommen, wie geht es meinen lieben Geschwistern und dem kleinen….
Wenn ich werde einmal zu Besuch kommen, wird er über den fremden großen Bruder staunen.

Für heute alles Gute
von Euerm lieben…

Rußland den 19.11.1942

Meine liebe gute Mutti!
Nun wird’s aber wieder einmal Zeit, daß ich Euch gedenke. Heut nun schon wieder der 3. Tag, das ich nicht geschrieben habe.
Bei uns gibts jetzt viel Arbeit. Denn bei einer Riegelstellung ist allerhand zu beachten. Aber sonst brauchst Du Dir keine Sorgen um mich machen.

Uns geht es soweit noch ganz gut.
Hoffe das es bei Euch allen auch der Fall ist…..

Für heut Schluß, schreibe Euch bald einmal wieder.
Nun sei Du und meine lieben Geschwister recht herzlich gegrüßt und alles Gute
Euer lieber Junge….

Der Garten des Lebens…

Das Leben ist ein ein wunderschöner Garten, aber die meisten Leute verbringen ihre Zeit damit, einen Zaun drumherum zu bauen.
(Pavel Kosorin)

Es war einmal ein Mann, der zu einigem Reichtum gekommen war. Er hatte sich von dem Geld ein schönes großes Haus gebaut. Bei diesem Haus war ein wundervoller Garten. Im Frühling blühten die Bäume auf das Schönste, die Vögel sangen in ihren Kronen und wenn der Sommer vorbei war, trugen sie die süßesten Früchte.

Durch den Garten floss ein klarer Bach und im grünen Gras konnte man sich im Schatten der Bäume wunderbar ausruhen. Die Wiese war übersät von Blumen, um die unzählige Bienen und Hummeln summten.

Der Mann dachte bei sich, ich will den schönsten Garten weit und breit haben, mit edlen Rosen und feinem Gemüse, welches mir munden soll.
Aber was ist, wenn die Tiere aus dem nahen Wald kommen und mir alles wegfressen. Also beschloss er, zuerst einen Zaun zu bauen. Gesagt getan, er besorgte sich alles und fing an zu bauen. Da der Garten ziemlich groß war, brauchte er viele Tage dafür. Als er fertig war, besah er sich sein Werk und war zufrieden. Nein, Tiere kommen hier nicht mehr rein.

Dann fiel ihm jedoch der arme Mann ein, der ganz in der Nähe, mit seiner Frau und seinen Kindern in einer ärmlichen Hütte wohnte und seiner Frau manchmal einen Wiesenblumenstrauß mitbrachte. Seine Kinder badeten im Sommer oft im Bach und hatten viel Spass dabei.

Das geht nicht, dachte sich der Mann, das ist meine Wiese und mein Bach und später stehlen sie mir vielleicht Rosen und Gemüse, die Hungerleider.
Also fing er an den Zaun noch höher zu bauen und ein massives Tor sollte er auch erhalten. Die Arbeiten zogen sich sehr lange hin. Als er dann endlich fertig war, war er erst mal zufrieden. So, jetzt kann ich pflanzen. Aber halt…

Was ist mit dem Sohn vom Handwerker ein paar Häuser weiter? Hatte der nicht eine Liebste aus dem Nachbardorf? Und sie trafen sich manchmal heimlich zu einem Stelldichein im Garten? Und ließen sich die süßen Früchte schmecken?
Das ging natürlich nicht und er baute den Zaun noch höher, damit sie nicht drüber klettern konnten.
Nun war er’s zufrieden.

Der Sommer kam und die Einwohner des Dorfes feierten jedes Jahr ein Fest zu Ehren des Wassermannes, der im Bach wohnte und ihnen dafür ausreichend Fisch schenkte, damit sie satt wurden.
Der Wassermann hatte schon besorgt den hohen Zaun gesehen, über den niemand mehr steigen konnte. Deswegen schickte er nach einem kräftigen Sommergewitter, eine Flut, die einen Teil des Zaunes wegspülte. So hätten die Leute doch im Garten feiern können.
Das wollte der Mann natürlich nicht, sie würden alles zertrampeln.

So fing er an, eine dicke, hohe Mauer zu bauen, die allem standhielt. Und baute Jahr um Jahr, der Handwerkssohn hatte seine Braut längst geheiratet und sie hatten Kinder. Der arme Mann hatte eine gute Anstellung gefunden und hatte längst ein schöneres Haus mit eigenem Gärtchen. In dem es schön blühte.
Und die Feste zu Ehren des Wassermanns, fanden bei der Mühle statt, deren Wasserrad er antrieb.

Als die Mauer endlich fertig war, war der Mann alt und er hatte keine Kraft mehr, aus seinem Garten ein Juwel zu machen. Ganz allein saß er in seinem Haus, denn er hatte ja keine Zeit, sich eine Braut zu suchen.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann sitzt er heute noch….

©regenbogenlichter

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