Willkommen unterm Regenbogen

Das Leben ist ein ein wunderschöner Garten, aber die meisten Leute verbringen ihre Zeit damit, einen Zaun drumherum zu bauen.
(Pavel Kosorin)

Es war einmal ein Mann, der zu einigem Reichtum gekommen war. Er hatte sich von dem Geld ein schönes großes Haus gebaut. Bei diesem Haus war ein wundervoller Garten. Im Frühling blühten die Bäume auf das Schönste, die Vögel sangen in ihren Kronen und wenn der Sommer vorbei war, trugen sie die süßesten Früchte.

Durch den Garten floss ein klarer Bach und im grünen Gras konnte man sich im Schatten der Bäume wunderbar ausruhen. Die Wiese war übersät von Blumen, um die unzählige Bienen und Hummeln summten.

Der Mann dachte bei sich, ich will den schönsten Garten weit und breit haben, mit edlen Rosen und feinem Gemüse, welches mir munden soll.
Aber was ist, wenn die Tiere aus dem nahen Wald kommen und mir alles wegfressen. Also beschloss er, zuerst einen Zaun zu bauen. Gesagt getan, er besorgte sich alles und fing an zu bauen. Da der Garten ziemlich groß war, brauchte er viele Tage dafür. Als er fertig war, besah er sich sein Werk und war zufrieden. Nein, Tiere kommen hier nicht mehr rein.

Dann fiel ihm jedoch der arme Mann ein, der ganz in der Nähe, mit seiner Frau und seinen Kindern in einer ärmlichen Hütte wohnte und seiner Frau manchmal einen Wiesenblumenstrauß mitbrachte. Seine Kinder badeten im Sommer oft im Bach und hatten viel Spass dabei.

Das geht nicht, dachte sich der Mann, das ist meine Wiese und mein Bach und später stehlen sie mir vielleicht Rosen und Gemüse, die Hungerleider.
Also fing er an den Zaun noch höher zu bauen und ein massives Tor sollte er auch erhalten. Die Arbeiten zogen sich sehr lange hin. Als er dann endlich fertig war, war er erst mal zufrieden. So, jetzt kann ich pflanzen. Aber halt…

Was ist mit dem Sohn vom Handwerker ein paar Häuser weiter? Hatte der nicht eine Liebste aus dem Nachbardorf? Und sie trafen sich manchmal heimlich zu einem Stelldichein im Garten? Und ließen sich die süßen Früchte schmecken?
Das ging natürlich nicht und er baute den Zaun noch höher, damit sie nicht drüber klettern konnten.
Nun war er’s zufrieden.

Der Sommer kam und die Einwohner des Dorfes feierten jedes Jahr ein Fest zu Ehren des Wassermannes, der im Bach wohnte und ihnen dafür ausreichend Fisch schenkte, damit sie satt wurden.
Der Wassermann hatte schon besorgt den hohen Zaun gesehen, über den niemand mehr steigen konnte. Deswegen schickte er nach einem kräftigen Sommergewitter, eine Flut, die einen Teil des Zaunes wegspülte. So hätten die Leute doch im Garten feiern können.
Das wollte der Mann natürlich nicht, sie würden alles zertrampeln.

So fing er an, eine dicke, hohe Mauer zu bauen, die allem standhielt. Und baute Jahr um Jahr, der Handwerkssohn hatte seine Braut längst geheiratet und sie hatten Kinder. Der arme Mann hatte eine gute Anstellung gefunden und hatte längst ein schöneres Haus mit eigenem Gärtchen. In dem es schön blühte.
Und die Feste zu Ehren des Wassermanns, fanden bei der Mühle statt, deren Wasserrad er antrieb.

Als die Mauer endlich fertig war, war der Mann alt und er hatte keine Kraft mehr, aus seinem Garten ein Juwel zu machen. Ganz allein saß er in seinem Haus, denn er hatte ja keine Zeit, sich eine Braut zu suchen.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann sitzt er heute noch….

©regenbogenlichter

Kommentare zu: "Der Garten des Lebens…" (14)

  1. Eine sehr nachdenkliche Geschichte…..wie auch das Leben oft so spielt.

    Liebe Grüße
    Eva

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  2. Leider geht es vielen Menschen ähnlich. Sie häufen auf und auf, und vergessen die Umwelt, das Miteinander.
    Danke für diese besondere Story, liebe Ute ♥
    wirklich lebenswert und mach nachdenklich.

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  3. Ich habe grad sehr lebhaftes Kopfkino, weil ich mir ausmale, wie das Leben des Mannes hätte verlaufen können, wenn er nicht so viel Energie und Zeit darauf verschwendet hätte, Zäune und die Mauer zu bauen…

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  4. Eine schöne Geschichte,aber so kann es auch im wahren Leben sein,er hatt Angst was abzugeben und dabei wird er einsam und verbittert.Wünsche dir einen wunderschönen Abend Gruss Gislinde.

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  5. Auch wenn es nur ein Märchen, so ist es doch mit einigen Menschen gleichzustellen und das nicht nur mit einer Mauer aus Steinen, da es Menschen gibt, die eine Mauer um sich selbst bauen.

    Sei lieb gegrüßt und hab einen schönen Tag.
    Bin heute schon bei Mittwoch, weiß auch nicht warum, aber ich hab noch soviel zu erledigen 🙄

    Mathilda ♥

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    • Ja liebe Mathilda, da hast du recht und es ist wohl auch die zweite Bedeutung des Sprichwortes. Menschen die eine Mauer um sich bauen, haben auch nicht vom Leben. Manche bauen eine Mauer, weil sie jemand sehr verletzt hat und sie das nicht wollen und manche können sich selbst und schon gleich niemand anderen leiden.
      Dir wünsche ich auch noch einen ganz schönen Tag und nicht mehr gar so viel Arbeit. 🙂
      Und zum Glück ist noch nicht Mittwoch, da wäre mein einziger freier Tag schon zur Hälfte um. 😉
      Sei ganz lieb gegrüßt von
      Ute ♥

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  6. ohjemine … was für eine wahre geschichte ♥

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