Willkommen unterm Regenbogen

Rußland den 30.12.1942

Meine liebe Mutti!
Heut erhielten wir endlich wieder einmal Post seit langer Zeit. Es sind nun schon 7 bis 8 Wochen her, da ich keine Post mehr von Euch erhalten habe. Heut erhielt ich nun endlich einen Brief vom 18.11. worüber ich mich sehr gefreut habe…..
Päckchen habe ich leider noch keines erhalten können….

Rußland den 31.12.1942

Meine liebe Mutti!

Heut schnell noch ein kleines Brieflein zur Jahreswende. An solchen Tagen denkt man oft und gern an die Heimat. Wie geht es Euch denn sonst?
Mir geht es soweit noch ganz gut. Bloß die Verpflegung, wenn die etwas besser sein würde. Wir sind alle schon mächtig runtergekommen. Aber das ist ja kein Wunder.
Als Mittagverpflegung bekommen wir eine Wassersuppe und nichts weiter drin, als ein Stückchen Pferdefleisch, durch den Wolf gedreht. Und das muß man noch mit der Lupe suchen.

Als Abendkost gibt es eine Scheibe Brot, 2cm dick und eine Fingerkuppe Butter und ein Stückchen Pferdewurst.
Das ist die Verpflegung für einen Tag.
Kannst du dir vorstellen, was wir für einen Kohldampf schieben?

Für nochmals alles Gute zum Jahreswechsel und wir wollen hoffen, daß uns das nächste Jahr bessere Zeiten bringt.

Rußland den 1.1.1943

Meine liebe Mutti!

Heut ist nun der erste Tag im neuen Jahr und ehe er sich zum Ende neigt, will ich ihn mit einem Brieflein an dich, liebe Mutti, enden.

Wie seid ihr denn ins neue Jahr hinein gekommen?
Hoffentlich gut. Bin gerade zu dieser Zeit auf Posten gewesen und habe meine Gedanken bei euch schweifen lassen.
Aber als ich 1 Uhr abgelöst wurde, habe ich mir noch einen schönen Grog gebraut.

Nun wollen wir hoffen, daß uns das neue Jahr bessere Zeiten bringt. Vor allen Dingen den gewünschten Frieden.

Wie geht es Euch Lieben sonst noch? Mir geht’s soweit noch gut, was ich von Euch ebenfalls hoffe.

Für heut empfangt nun recht herzliche Grüße von Euerm lieben…

Herzliche Grüße an meine lieben Geschwister!

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Kommentare zu: "Briefe eines Soldaten…-12-" (6)

  1. was leben wir doch in guten Zeiten. Wir haben genug zu essen, müssen nicht frieren und leben in Frieden. Dafür sollten wir dankbar sein.

    LG Anna-Lena

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    • Da kann ich dir nur recht geben, liebe Anna-Lena. Das wird einem beim Lesen schlagartig wieder klar. Und ich muss jedesmal dran denken, wenn wieder irgendwo Krieg ist.
      Liebe Grüße
      Ute

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  2. Die Briefe erinnern mich sehr an das Buch „Im Westen nichts Neues“..ich hab s erst vor ein paar Monaten ganz gelesen. In der Schule hab ich mich damals geweigert, ab der Stelle wo die Pferde..und so…ich konnt das da schon nicht ertragen und wenn ich die Briefe lese, hab ich Tränen in den Augen, weil ich mich irgendwie automatisch versuche in ihn hinein zu versetzen. Schrecklich, was so viele Menschen im Krieg durchmachen mussten 😦

    Liebe Grüße ♥

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    • Ja das ist schrecklich…und Bücher sind ja oft an wahre Begebenheiten angelehnt. Und wenn sie schon mit Menschen so umgehen, wird auf Tiere gar nicht mehr geschaut. 😦
      Das ist auch heute noch so, auch nach Naturkatastrophen.
      Liebe Grüße
      Ute

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  3. Das kann man sich bei all dem Wohlergehen, das uns heutzutage (noch) zuteil wird, gar nicht so recht vorstellen – die klirrende Kälte, das mehr als magere Essen, vielleicht keine ordentlich wärmenden Kleidung und Schuhe mehr, immer in dem Bewusstsein leben, dieser Atemzug könnte der letzte sein, das Orgeln, Pfeifen, Dröhnen, Krachen, Peitschen des Beschusses, das ganze Leid, das Blut, das Schreien, die eigene Ohnmacht, die Tränen…

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