Willkommen unterm Regenbogen

Kürzlich haben wir über das Umgebindehaus (Hier klicken zum Artikel über das Umgebindehaus)   geschrieben, in denen auch Hausweber ihre Webstühle stehen hatten und Leinen gewebt haben.

Zuerst kauften die Weber das Garn selbst und verkauften das Leinen auf dem Markt. Später gab es Faktoreien, mit einem „Verleger“ und Leinwandhändler, für den die Weber arbeiteten und von dem sie das Garn kauften.

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Auftraggeber und Bauerherr vom Eibauer Faktorenhof (einem Dreiseithof) war der Leinwandhändler Christian Zentsch. Das Wohngebäude wurde 1717 erbaut.

Die Ausstattung und Ausgestaltung lassen den ehemaligen Reichtum ahnen.

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Im Wohnhaus befindet sich jetzt unter anderem das Heimatmuseum und es ist sehr lohnenswert, sich das Museum und die Räume anzuschauen!!!

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Die Delfter Motive im reich bemalten Hauptzimmer des Obergeschosses, deuten auf Handelsbeziehungen ins Ausland und nach Übersee hin.

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Decken und Wandmalereien erzählen von „geholten“ Schätzen und Handelszielen. Und Segenssprüche unterhalb der mit floralen Ornamenten bemalten Balkendecke,

sollen vom Fleiß des Hausherren künden und ihn beschützen.

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Dieses Wohnhaus hat eine überaus reiche Ausstattung.

Den Webern allerdings, die ihr Leinen in der Faktorei ablieferten, und somit den Reichtum begründeten, ging es weniger gut.

Sie verdienten sehr wenig und es ging ihnen ähnlich wie den schlesischen Webern unweit davon, die 1844  einen Aufstand gegen die sozialen Misstände wagten.

Vorher gab es schon wesentlich heftigere, dieser wurde nur von den „Medien“ am meisten beachtet.

Die völlig verarmten Leine-Weber, hatten vorher vergeblich beim König und bei der Kirche, um Hilfe gegen die ungerechte Bezahlung durch die Verleger und Hunger und Armut ersucht.

Denn selbst sehr lange Arbeitszeiten und die Mitarbeit ihrer Kinder, konnte ihre Lage nicht verbessern.

Denn durch die nur unvollständige „Bauernberfreiung“, auf Grund der Annektierung der schlesischen Provinz durch den preußischen König Friedrich, mussten viele noch Abgaben an Lehnherren und Kirche zahlen.

Dazu kam die billige „Maschinenarbeits-“ Konkurrenz aus dem Ausland, zum Beispiel aus England.

Heinrich Heine beschreibt das Befinden der Weber, den Aufstand und die gesellschaftlichen Misstände, in seinem dramatischen Gedicht: „Die schlesischen Weber“.

Und er hatte wohl richtig erkannt, dass sich in Deutschland eine Veränderung anbahnt, die dann 1848 auch kam.

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt –
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie die Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nun gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!
(Heinrich Heine, 1844)

Das Preußisch Königliche Kammergericht Berlin, verbot das Gedicht wegen des aufrührerischen Tones. Ein Rezitator, der es 1846 wagte, dieses Gedicht trotzdem öffentlich vorzutragen, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Anmerkung: Den Arbeitern bei der englischen Billigkonkurrenz und anderswo, erging es nicht besser!
Und wie Klaus richtig anmerkt, in anderen Dimensionen, kann man durchaus Parallelen in die heutige Zeit ziehen.
Wieder können Menschen von ihrem Lohn nicht leben, zumindest in Deutschland durch Aufstockung vom Staat etwas abgefedert.
(Leider auch mit Steuergeldern die Gewinne vergrößert….).
Woanders nicht! Von den Lebensbedingungen bei der heutigen Billig-Konkurrenz in Asien gar nicht zu sprechen!

Die Geschichte scheint sich immer zu wiederholen. Deswegen ist es auch wichtig, die Geschichte zu kennen und vor allem Lehren aus ihr zu ziehen!

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Kommentare zu: "Der Faktorenhof Eibau…Perle des ländlichen Barock…" (21)

  1. So schön das Gepränge und die reiche Ausstattung auch anmuten, wenn man sich gewahr wird, durch welche Ausbeutung dies zustande gekommen ist, bekommt man schon einen bitteren Geschmack im Munde. Und es ist in der Tat so, dass die Parallelen zwischen damals und heute ganz klar zu erkennen sind…
    ♥liche Grüße!

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  2. Solch eine alte Truhe hätte ich auch zu gerne ♥

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  3. Schöne Ländliche Idylle so schön die Bilder war bestimmt schön dein Ausflug, und ein schöner Bericht,meine Enkel waren hier sind eben erst gefahren wünsche dir einen schönen Abend liebe Grüße Gislinde

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    • Danke liebe Gislinde und ja, schön war es. Das Haus ist wunderschön und das Museum sehr interessant.
      Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Zeit mit euern Enkeln.

      Dir auch einen schönen Abend und liebe Grüße

      Ute

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  4. Ein schöner Rundgang!
    Danke, und euch allen einen schönen Feiertag, wir hier in A haben unseren Nationalfeiertag erst am 26. Oktober!

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  5. Danke, liebe Ute, für diesen sehr interessanten Ausflug in die Geschichte. Mich erinnert es auch an das Drama: „Die Weber“, von Gerhard Hauptmann, über den Weberaufstand von 1844. Auch bin ich ganz bei Dir, da ich ebenso denke, dass es zu der heutigen Zeit einige Parallelen gibt.
    Ich wünsche Dir einen schönen Feiertag
    Liebe Grüße
    Stefan

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    • Ich danke dir auch und bitte gerne doch lieber Stefan.
      Ja, im Drama „Die Weber“ geht es auch um den Aufstand. Stimmt.
      Das Theater, in dem ich zu Kinder-und Jugendzeiten sehr oft war, trug übrigens den Namen Gerhard Hauptmanns und dieses Stück stand selbstverständlich auch auf dem Spielplan. 😉

      Dir bitte auch einen ganz schönen Feiertag und liebe Grüße
      Ute

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  6. da hast du das Leben zu früherer Zeit schön dargestellt auch vergleichbar mit heute in anderer Dimension, das Gebäude an sich finde ich schon toll, einen guten Tag für dich, Klaus

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  7. So ein Interieur hätte ich nicht erwartet! Interessant, wie so eine Faktorei funktionierte, der Zweck und Ablauf… Doch wie immer erschüttert das immense Auseinanderdriften von Arm und Reich.

    Liebe Grüße und schönen Feiertag, Ute!
    Michèle

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    • Ich ehrlich gesagt, auch nicht. Das Haus ist von außen auch schön, aber so. Und auf Fotos kann man das gar nicht so wiedergeben, wie die Räume insgesamt wirken. Für vieles passte auch das Licht nicht.
      Ja und den Arbeitern bei der Billig-Konkurrenz in England ging es auch nicht besser.
      Und im Prinzip kann man auch Parallelen zu heute ziehen. Es gibt wieder Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können, wenn auch in Deutschland durch aufstocken vom Staat etwas abgefedert.
      Das ist aber nicht überall so und von der heutigen Billigkonkurrenz in Asien möchte ich gar nicht sprechen.

      Dir auch einen sonnigen Feiertag liebe Michėle.

      Herzliche Grüße
      Ute

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  8. Oh, welch herrliche ländliche Idylle mit spannenden Einblick ins Innere und deinen Gedanken….Einen guten Feiertag ♥-liche Grüße, Luise-Lotte

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