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Archiv für 23/02/2014

Bücherwurm…“Eine Handbreit Hoffnung“

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Heute möchte ich euch ein Buch empfehlen, das beeindruckendsde, welches ich je in meinem Leben gelesen habe.

Eigentlich nicht nur ein Buch, sondern ein wohl ziemlich einmaliges Zeugnis der Geschichte. Der Geschichte im Osten Europas. In einer kleinen Stadt namens Zólkiew, damals Polen, heute Ukraine, mit dem Namen Schowkwa Wikipedia>>>> .

Von 4400 jüdischen Einwohnern lebten bei der Befreiung am 24. Juli 1944 noch 70. Alle anderen starben im Vernichtungslager Belcek, im Ghetto oder wurden in der Nähe der Stadt erschossen.

Das Städtchen liegt nahe der bekannten Stadt Lemberg, Austragungsort der Fußball-EM 12 und jetzt wieder in den Schlagzeilen.
Ab 1867 unter der Doppelmonarchie Österreich/Ungarn hatten die Lemberger die österreichische Staatsbürgerschaft und wurden vorher auch schon von den Habsburgern regiert. Das und mehr nachzulesen bei Wikipedia>>>>

Und ist etwa 150km entfernt vom Vernichtungslager Auschwitz.

Clara Kramer

Eine Handbreit Hoffnung 

Die Geschichte meiner wunderbaren Rettung vor den Nazis

Klappentext:

Claras Tagebuch

Polen 1942: Ausgerechnet der Nazi Beck versteckt Clara und ihre jüdische Familie in einem Erdloch unter seinem Haus. Clara gelingt es, dort Tagebuch zu führen.

Sie beschreibt die fürchterlichen Lebensbedingungen, die fürchterliche Enge, das grausame Stillhalten-Müssen

und die Todesangst, wenn über ihren Köpfen- kaum eine Handbeit entfernt- die deutschen Besatzer ihre Reden schwingen, die Dielenbretter unter den polternden

Stiefeln ächzen.

Mehr als sechzig Jahre danach erzählt Clara nun ihr Schicksal: wie trotz des Krieges stets die Hoffnung in ihrem Herzen weiterlebte – und sie gerettet wurde.

Und wie letzten Endes ihre Aufzeichnungen bei Kriegsende auch zum Rettungspfand für die Familie Beck wurden.

Claras Erzählungen gehen tief unter die Haut und treffen mitten ins Herz. Berührend, aufwühlend und erschreckend. Sie erzählt von Stalins Schreckensherrschaft und vom Leben mit dem Krieg.

Polen, die ihre jüdischen Nachbarn verraten, oft für nur eine Ration Schnaps. Von der antisemitischen ukrainischen Bevölkerung und Polizisten, die schießwütiger waren als die Nazis. Von Juden, die sich nur um sich gekümmert haben und die wohl auch das Verhungern von Kindern in Kauf genommen hätten, obwohl es ihnen anders möglich gewesen wäre.

Und natürlich von den Gräueltaten der Nazis. Deren Grausamkeiten schon beim lesen oft kaum zu ertragen sind. Hin-und wieder war eine Pause nötig, um das alles zu verarbeiten.
Manchmal kann man sich aber auch irren und der großmäuligste Nazi hat doch ein Herz, das zeigt sich in der Geschichte auch.

Was Menschen ertragen mussten und können, wenn ihnen keine andere Wahl bleibt und was Menschen anderen antun können, ist schier unfassbar.

Manchmal meint man, sie müssten daran verzweifeln.

Und dann sind da noch Becks, die allen Widerständen zum Trotz und unter Einsatz ihres Lebens, diese Menschen verstecken. Obwohl der Volksdeutsche Beck, Juden hasst.

Sie sind die Handbreit Hoffnung und das zeigt mal wieder mehr als deutlich, dass es vollkommen egal ist, aus welchem Land jemand kommt und welchen Glauben die Menschen haben. Jetzt immer noch ein aktuelles Thema.

Die Becks waren ihnen nach dem Krieg näher, als Blutsverwandte.

Den Schluss des Buches, musste ich gleich mehrmals lesen. So wie einem vorher aus jeder Zeile der Schrecken und die Todesangst fast fühlbar „entgegen sprangen“, „entströmt“ den letzten Zeilen ein unglaubliches Glücksgefühl, überlebt zu haben und Menschen bei sich zu haben, denen man näher ist, als sonst jemandem auf der Welt.

Claras Schilderung vereint alle menschlichen Stärken und Schwächen und zeigt, wie Menschen in Extremsituationen reagieren. Das ist bis heute so.

Clara Kramer schreibt als Widmung:

Für meine Eltern,

die mich Mitgefühl und Anstand lehrten;

für meine kleine Schwester,

die mir zeigte, was wahrer Mut ist;

und für die Becks,

die mir das Leben retteten und mir den

Glauben an die Menschheit zurückgaben.

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Die 1927 geborene Clara Kramer, lebt jetzt in den USA und hält selbst in ihrem hohen Alter, noch viele Vorträge vor Schülern und Studenten und liest aus ihrem Buch (zumindest vor 5 Jahren noch).

Ihr Tagebuch wird im Holocoust Memorial Museum in Washington D.C. aufbewahrt.

Das Haus mit dem Kellerversteck, gibt es auch noch. Es gehört jetzt einem ukrainisches Paar, das den Besuchern aus den USA freundliche Aufnahme gewährte.

Offensichtlich Menschen, die sich der Tragweite der Dinge die dort geschehen sind, bewusst sind. Und somit helfen, das Vermächtnis und die Erinnerung daran, zu bewahren.

Die Becks wurden 1995 in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel geehrt. Ihre Tochter Ala pflanzte im Garten der Gerechten einen Baum.

Mein Fazit:

Man kann sich vor Clara Kramer und dem, was sie tut, nur tief verneigen. Und ihr (Tage-) Buch, ihr Vermächtnis, sollte keinesfalls ungelesen bleiben!

Es ist Erinnerung, Mahnung und Geschichtsunterricht, wie er lebendiger nicht sein kann. Mahnung, so etwas nie wieder geschehen zu lassen!!!
Heute jährt sich auch der Bombenangriff auf Pforzheim. 17 000 Menschen starben dabei. Fast das ganze Stadtzentrum wurde zerstört. Und die Rechten haben einen Fackelzug angekündigt! Die Toten werden sich im Grab umdrehen.

Die Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel „Clara`s War“ bei Ebury Press.

Und die deutsche Originalausgabe 2009 im Droemer Verlag, Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

ISBN 978 -3-86800-387-1

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