Willkommen unterm Regenbogen

Mal wieder etwas aus Sonthofen… heute gehen wir mal zur „Schule“… und zwar zur alten Schule…

Sie befindet sich am Ende der Fußgängerzone… das Gebäude rechts im Foto…

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Foto zum Vergrößern anklicken…

Das Haus wurde 1472 vom Augsburger Fürstbischof  Johann Graf von Werdenberg, dem Markt Sonthofen leihweise überlassen und von Bischof Christoph Freiherr von Stadion mit Wein-und Salzstadel geschenkt.

Im Untergeschoß war das Korn-und Waaghaus. Im Allgäu wurde früher Flachs angebaut. Deswegen gab es einen Garnmarkt (Leinwandschauen), der auch dort stattfand. Das Gebäude diente der Gemeindeverwaltung und an Markt-und Blutgerichtstagen, war an ihm die Marktfahne ausgehängt. Aus dem Jahr 1557 gibt es Berichte über eine Bürgeschenke in den Ratsstuben. Ein im 18. Jahrhundert angebauter, tief gelegter Gefängnisturm wurde 1830 abgebrochen. 1884 der 50 Jahre alte, hölzener Theateranbau zum Abbruch versteigert. Später war rückwärts die Turnhalle. Seit 1821 diente das Haus auch als Schule.

1919 wurde das Rathaus wegen Schulraumnot in das Kronenbräuanwesen (ehemaliger Gasthof Krone, schräg gegenüber, heute gibt es dort eine Info-Säule) verlegt.

1957 wurde die Fassade erneuert. 1968/69 wurde das Gebäude renoviert und umgebaut. 1969 und 1970 wurde dort das 1968 gegründete Gymnasium aufgenommen.

Im Untergeschoss war bis 1952 das Feuerwehrgerätehaus. Und seit1969 die Stadtbücherei, die 1982 erweitert wurde.

Seit 1974 war in dem Gebäude die Fachoberschule und ab 1982 bis heute, die Musikschule.

Also eine sehr „lehrreiche“ Nutzung. 😉

Und noch etwas ist „lehrreich“ ….

Am Giebel befindet sich eine Wandmalerei. Sie zeigt für Sonthofen wichtige geschichtliche Ereignisse.

Das Wappen, die Markterhebung 1429 und den „Sonthofer Tag“, den 14. Februar 1525. Hier ein wichtiger Tag im Bauernkrieg .

Veränderungen brauchen manchmal nach menschlichem Ermessen, längere Zeit.

Eine „Truppe“ war der „Allgäuer Haufen“…

Die Geschichte des Allgäuer Haufens ist eng mit der Geschichte des Stift Kempten verknüpft. 1491 gab es eine Missernte, die eine schwere Hungersnot unter der Bevölkerung nach sich zog. Bereits am am 15. November 1491 versammelte sich, unter der Führung von Jörg Hug aus Untrasried, das gemeine Volk vor dem Stift.

Am 14. Februar 1525 versammelten sich Untertanen des Fürststifts von Kempten in Sonthofen und beschlossen das nun sogenannte göttliche Recht gegen die Geistlichkeit, den Schwäbischen Bund und den Kaiser in Wien durchzusetzen. Der Allgäuer Haufen war zwischen 7000 und 9000 Mann stark, verstärkt um Landsknechte. Am 20. Februar 1525 erschien Bartholme Frey in Tübingen und rief Schmid ins Allgäu zurück. Man bedürfe keines Rechts mehr.

Am 6. März 1525 trafen sich in Memmingen etwa 50 Vertreter der oberschwäbischen Bauerngruppen (des Baltringer Haufens, des Allgäuer Haufens und des Bodensee-Haufens), um sich über das gemeinsame Auftreten gegenüber dem Schwäbischen Bund zu beraten. Nach schwierigen Verhandlungen verkündeten sie einen Tag später die Christliche Vereinigung der Bauern, auch als oberschwäbische Eidgenossenschaft bezeichnet. Am 15. und am 20. März 1525 trafen sich die Bauern wieder in Memmingen und verabschiedeten nach weiteren Beratungen die Zwölf Artikel und die Bundesordnung.

Diese beiden sind die einzigen der vielen Programme des Bauernkrieges, die gedruckt wurden. Besonders die Zwölf Artikel wurden innerhalb der nächsten zwei Monate mit einer für die damalige Zeit ungeheuren Auflage von insgesamt 25.000 Exemplaren gedruckt und verbreiteten sich in ganz Deutschland. Da die beiden Texte im Laufe des Bauernkrieges nicht weiter entwickelt wurden, spricht der Historiker Peter Blickle von einer „verfassungsgebenden Bauernversammlung“ in Memmingen.

Die Zwölf Artikel gehören zu den Forderungen, die die Bauern 1525 in Memmingen, gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben.

Sie gelten als erste Niederschrift von Menschen und Freiheitsrechten in Europa!

Und die Versammlungen, die zu den 12 Artikeln führten, gelten als erste verfassungsgebende Versammlung auf deutschem Boden.

Diese und ausführlichere Informationen über den „Allgäuer Haufen“ und über die Zwölf Artikel, gibt es bei Wikipedia…

Allgäuer Haufen…

  HIER KLICKEN >>>

Die Zwölf Artikel…

HIER KLICKEN >>>>

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Kommentare zu: "Gehen wir zur (alten) Schule?" (10)

  1. Sieh mal an! Da haben die Franzosen also gar nicht recht, wenn sie stets so voller Stolz behaupten, die Menschenrechte seien auf ihrem Mist gewachsen! 😉

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  2. Sehr schöne Gebäude. In unserem Stadt haben wir auch zwei Schulen in alteren historischen Gebäuden, aber in anderem Stil 🙂 Die gebäude auf deinen Fotos – das ist eine typische deutsche Architektur.
    LG Daniela

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    • Eher typische Architektur der Gegend hier, meine ich. Denn woanders gibt es auch noch schöne alte Schulgebäude, die haben eine ganz andere Architektur, manche sicher so ähnlich wie bei euch. Aber diese Gebäude passen gut hierher, da gebe ich dir recht.
      Liebe Grüße
      Ute

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  3. Ein schönes altes Gebäude und gut zu nutzen.
    Wie oft werden solche Gebäude abgerissen und durch hässliche Lernfabriken ersetzt.

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    • Ja das ist es und das neue Gymnasium war so ein hässlicher Betonklotz. Inzwischen schon wieder neu gebaut und etwas schicker, aber dass das so lange hält wie dieses Gebäude, ist auch nicht zu erwarten. 😉

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  4. ich liebe diese alten schulen, sie haben was besonderes an sich, klaus

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  5. Solche Gebäude waren wohl ziemlich überall in stark wechselndem Nutzen oder Gebrauch.
    Das kann man immer wieder erfahren.
    Aber dass von dort sozusagen der Bauernkrieg startete, das ist natürlich was Besonderes.
    deine Bärbel

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    • Yep, das Gebäude war damals eben das der „Staatsmacht“ und eigentlich ist das mit der ersten verfassungsgebenden Versammlung und den 12 Artikeln ja schon richtig große Geschichte. Denn „nur“ Bauernkrieg gab es in vielen Gegenden Deutschlands. Forderungen wurden nirgends schriftlich niedergelegt.
      Liebe Grüße
      deine Ute

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