Willkommen unterm Regenbogen

Archiv für 20/06/2014

Die Wildrose und das Perlenkleid…

Zum Mittsommer mal wieder eine Geschichte für alle großen und kleinen „Kinder“.

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Der Sommer war ins Land gezogen und hatte Sonne und Wärme mitgebracht. Unter einem Baum hatte eine weiße Wildrose ihr Zuhause. Sie trug ein duftiges weißes Sommerkleid mit gelbem Oberteil. Dieses und ihren sanften Duft, mochten Bienen und Hummeln sehr gern. Sie kamen sie oft besuchen und hielten ein summendes Schwätzchen mit ihr. Die Wildrose war sehr gastfreundlich und bewirtete sie mit feinem Nektar und Blütenstaub.
Dann drehte sie sich in die Sonne und ließ sich vom warmen Sommerwind streicheln. Ihr Blütenblätterrock wehte lustig und der Wind nahm ihren feinen Duft mit. Dieser kitzelte die Vorrübergehenden in der Nase, sie sogen ihn tief ein und sagten:“ Es duftet nach Sommer“!

Ihr Baum stand nahe an einem Bach und während sie und ihr Baum tranken und sich in der größten Mittagshitze erfrischten, erzählte er ihnen leise plätschernd Geschichten von dem, was er auf seinem Weg alles gesehen hatte. Und das war eine Menge.
Oben in der Baumkrone war auch lustiges Treiben, da waren junge Vogeleltern eingezogen. Die Wildrose musste nur immer aufpassen, dass die Piepser nicht ihr schönes Kleid bekleckerten.

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Abends, wenn der Mond seine große runde Laterne in die Bäume hängte, spielten die Grillen auf der Wiese am Bach zum Tanz auf. Viele Tiere der Nacht fanden sich ein, Fledermäuse, Mücken, Nachtfalter und die Johanniskäfer, auch Glühwürmchen genannt, brachten sogar Laternen mit, mit denen sie lustig blinkten.
Selbst die zarten Blumenelfen kamen vorbei, schaukelten in den Ranken der Wildrose und benetzten sich mit dem Tau auf ihr, damit sie gut dufteten.
Nur der alte Graureiher fühlte sich manchmal in seiner Nachtruhe gestört und war über dem Ärger schon ganz ergraut.
Streichquartett und Tanz gingen bis zum frühen Morgen. Bis die Vögel ihr Morgenkonzert begannen und damit die Sonne lockten, die dann gähnend und mit rotem Gesicht, über den Horizont schaute. Denn sie hatte die ganze Nacht schon die andere Erdhalbkugel beschienen.

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Das ging einige Zeit, Tag für Tag so weiter. Eines Morgens jedoch, war es irgendwie anders. Die Sonne strahlte schon früh sehr warm und auch der sonst so schöne, kühle und ihr lustige Komplimente ins Ohr säuselnde Sommerwind, schlief wohl noch. Es wurde drückend und heiß. Die Ameisen, die sich jeden Morgen zum Frühstück, Honigtau von den Blattläusen holten, liefen ganz eilig an ihr hoch und wieder runter.
Die kühnen Schwalben, die auch Kinder im nahen Stall zu versorgen hatten, übten heute wohl den Tiefflug. Aber wenigstens die Bienen und Hummeln kamen wie gewohnt auf ein Schwätzchen.

Gegen Mittag fingen hinter den Bergen dicke Wolken an aufzuquellen. Und verdeckten schon einen Teil, von dem irgendwie nicht mehr ganz so blauem Himmel. Was hatten die heute so Wichtiges, dass sie sich so aufplustern mussten? Nach und nach waren sie auch nicht mehr weiß, sondern ihr Gesicht verfinsterte sich zusehends.

Erst dachte die Wildrose schon, der Sommerwind wäre jetzt doch noch aufgewacht, aber nein, es war sein größerer Bruder, der Windstoß. Er kam bei ihr vorbei, um ihr zu sagen, dass sie sich gut festhalten solle. Denn sein mächtiger Onkel, der Gewittersturm, sei schon ziemlich nah. Und seine Tanten, die Gewitterwolken, konnte man schon in der Ferne grollen hören, dass sie ja so schwer an dem Wasser zu tragen hätten und es wohl bald ausschütten müssten.
Sie bräuchten nur noch blitzschnell Hilfe.

Nun hatten es auch die Bienen und Hummeln eilig. Denn ihre Pollenhöschen durften nicht nass werden. Sonst kamen sie nicht mehr heim und konnten ihre Kinder und die Königin nicht mehr versorgen. Und Vorräte für den Winter hatten sie dann auch nicht.

Die Rose rief ganz erschrocken aus:“Oh nein! Was wird dann aus meinem schönen Kleid!“. Es waren aber alle schon weg und keiner hörte sie.

Und schon fuhr ein mächtiger Blitz wie ein Windsurfer über den Himmel. Die Wolkentanten bedankten sich mit einem lauten Donner und schütteten an Wasser aus, was sie nur konnten.
Im nu war die Rose nass und wurde vom Sturmwind zerzaust! Sie konnte sich nur an ihren Baum schmiegen und etwas unter seinen Blättern Schutz suchen.

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Irgendwann hatten es die Wolkentanten nicht mehr so schwer und grollten nur noch wenig. Jetzt konnten sie viel leichter weiterziehen. Und auch der Onkel Gewittersturm war müde geworden und hatte sich wieder hingelegt. Hinter den Wolken schaute schon die Sonne hervor und schickte ihre Strahlen zu den Wolken, damit sie bessere Laune bekamen und nicht mehr grollten.

Am Himmel erschien ein wunderschöner Regenbogen. Er strahlte und leuchtete in den schönsten Farben. Und er blickte voller Bewunderung auf die wilde Rose und sagte zu ihr:“Du bist wunderschön!“.
Erst da wagte es die Rose, an sich herunter zu sehen und sah, dass sie ein mit den schönsten Perlen besticktes Kleid an hatte.
Nun strahlte sie über ihr ganzes Gesicht und schmiegte sich glücklich an ihren Baum.

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Seit dieser Zeit trägt diese und vielleicht auch noch andere Wildrosen, ein mit wundervollen Perlen besticktes Kleid.

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Und ihr Baum ist sehr stolz auf seine wunderschöne Gefährtin.

©regenbogenlichter

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Die Fotos können wieder einzeln angeklickt oder in der Galerie größer angeschaut werden.

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