Willkommen unterm Regenbogen

Hier war wohl die 13. Fee auch nicht eingeladen mitzufahren und zur Strafe hat sie einen Zauber verhängt, dass die Bahnstrecke fortan in tiefen Schlaf fallen soll.
Schrankenwärter gibt es schon lange keinen mehr und sein ehemaliger Arbeitsplatz, wäre nicht mehr nur ein einfaches Holzhäuschen, sondern ein sehr luftiges, einfaches Holzhäuschen. Der Zahn der Zeit nagt an allem.

Aber wer genauer hinhört, kann sie noch hören die Bahn. Die Bahn aus längst vergangenen Zeiten…Man hört sie schon aus der Ferne pfeifen, das Geräusch des Dieselmotors oder gar noch das rhythmische Schnaufen einer Dampflok.
Wer kommt mit auf eine kleine Bahnreise in die Vergangenheit?
Bitte einsteigen und die Türen schließen (das ging damals noch nicht selbsttätig), unser Zug fährt ab.

An einem schönen Sommermorgen…
Es läutet und Schrankenwärter Paul geht zur Schranke…
Er fängt an, an der Kurbel zu drehen. Bimm, bimm…
Herr Müller, der jeden Tag in die Stadt zur Arbeit fährt, kommt schnellen Schrittes herbei und schwenkt dabei seinen Hut. „Halt, halt, ich muss noch durch damit ich den Zug erreiche“. Dicht gefolgt vom kleinen Franz, dessen Schultasche beim laufen auf dem Rücken auf und ab wippt. „Ich aaauuuch!“. Sonst bekomme ich wieder einen Eintrag, weil ich zu spät komme. Der Schrankenwärter hält beim drehen kurz inne und die Zwei schlüpfen noch durch.
Nun muss er aber die Schranke schließen. Bimm, bimm die Bäume schließen sich, fallen mit leisem Scheppern auf den Schrankenbock und wippen etwas nach…. Klack, tock tock, tock..
Herr Kunze flucht am Lenkrad seines Autos…“Mist… hoffentlich kommt der Zug bald, sonst komme ich zu spät zu meinem Termin“.

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Die Schienen flüstern schon mit leisem Singsang, „Bald kommt der Zug und Räder aus Stahl putzen uns blitzblank. Hallo Schotter und ihr Schwellen, ist unser Bett auch fest genug und seid ihr bereit, sein Gewicht zu halten?“ Die Schwellen antworten mit einem leisen Knarren und die warme Morgensonne entlockt ihnen den altbekannten Terpentingeruch.
Der Schrankenwärter ist in seinem Häuschen verschwunden, um zu melden, dass die Schranken geschlossen sind.
An der Schranke stehen inzwischen etliche Leute. Oma Lenz, die zum einkaufen will und die Meiers, mit zwei großen Koffern, diversem Handgepäck und ihren Zwillingen an der Hand. Sie wollen in Urlaub fahren. Müssen aber erst zum Zug aus der Gegenrichtung. Herrn Meier ist von der Kofferschlepperei warm geworden und er wischt sich mit einem riesigen karierten Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Die Zwillinge sind schon ganz aufgeregt, und nerven ihre Mutter. „Mama, wann kommt jetzt der Zug?“. Die ist aber in Gedanken woanders und sinniert darüber, ob sie nicht doch noch das geblümte Kleid hätte mitnehmen sollen. Und brummt nur ein „gleich, gleich“.
Lärmend und lachend findet sich noch eine Schulklasse ein, die heute Wandertag hat. „Hurra, gleich kommt ein Zug! Fahren wir heute auch noch Zug?“
Aus dem nahen Bahnhof ertönt ein langgezogener Pfiff. Man kann hören, wie die Lok sich mühen muss, ihre Last am Zughaken, bergauf in Bewegung zu setzen.

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Der Schrankenwärter steht inzwischen wieder draußen und schaut in Richtung Bahnhof. Er mahnt einige übermütige, besonders neugierige Buben, nicht auf der Schranke zu lümmeln. „Davon kommt der Zug auch nicht schneller und davor, seht ihr genauso viel.“ brummt er in seinen Bart.
Und schon kann man die Lok auch sehen, die Schienen summen, die Sträucher und Gräser neben dem Gleis, weht der Fahrtwind zur Seite, als wolle er sich den Weg frei blasen. Der Lokführer gibt einen kurzen Pfiff, um Schrankenwärter Paul und die Wartenden zu grüßen. Als der Zug über den Bahnübergang fährt, winken die Kinder jubelnd. Und die Leute im Zug, unterwegs zu Arbeit, zur Oma oder zu einem Ausflug, winken lachend zurück.
Nachdem der Zug über den Bahnübergang gefahren ist, geht der Schrankenwärter wieder zur Kurbel und öffnet die Schranken.

Die Schulklasse stürmt los, Herr Meier hebt ächzend die Koffer an und die Zwillinge hüpfen an Frau Meiers Hand. Oma Lenz nimmt ihren Einkaufskorb und nun kann endlich auch Herr Kunze losfahren, er gibt Gas und braust los, eine dicke Wolke aus seinem Auspuff hinterlassend.

Der Schrankenwärter schaut ihnen nachdenklich hinterher, um dann in seinem Häuschen auf den Anruf für den nächsten Zug zu warten.

Wieder senkt sich Stille über Schwellen, Gleise und die Schranken. Und auch über das luftige Holzhäuschen.

Und von nun an schlafen die Schienen wieder und träumen davon, dass sie Stahlräder blitzblank putzen und die Schranken, dass sie jemand schließt, damit der Zug vorbeifahren kann. Und der Schrankenwärter? Vielleicht ja von den vielen unterschiedlichen Menschen vor seiner Schranke.

Ob ihr Traum wohl in Erfüllung geht?

Ziemlich sicher bleibt es ein Traum!
Denn heute brausen wir Computergesteuert in klimatisierten Zügen dahin, auf speziell dafür gebauten Strecken, durch Tunnel und ohne Bahnübergänge. Die wären bei den Geschwindigkeiten viel zu gefährlich. Vereinzelt gibt es sie noch, die Schrankenwärter Paul. Aber auch ihre Arbeitsplätze werden irgendwann nur noch „luftige Häuschen“ sein.
Aber den Traum von der Eisenbahn, die Menschen zusammenbringt, um sie letztendlich am gewünschten Ziel, wieder in ihr eigenes Leben und vielleicht in neue Träume zu entlassen, träumen noch viele. Und er wird auch heute noch wahr.

©regenbogenlichter

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Und für Eisenbahninteressierte aus dem „Jetzt und Heute“… das „Teil“, welches  über den Wegweiser zum Supermarkt hinausragt, ist ein gelbes „W“, Ra 11,  das „Wartesignal“ für Rangierfahrten…nähere Infos….HIER KLICKEN >>>>
Dieses Signal gibt es auch heute noch.

Die Fotos können wieder zum Vergrößern angeklickt werden.

 

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Kommentare zu: "Im Dornröschenschlaf geträumt…" (19)

  1. In meinen Kindertagen gab es eine wunderschöne historische Bimmelbahn von Berchtesgaden zum Königssee. Dann, Ende der Sechziger, befand man, daß so etwas nicht mehr zeitgemäß sei, legte das Bähnlein still, und riß die Geleise aus ihrem Bett. Die Strecke ist mittlerweile völlig überwachsen und verwuchert – und die Obermuftis Berchtesgadens beissen sich mittlerweile mit Sicherheit Tag für Tag ungezählte Male in den Allerwertesten, denn jedes Jahr zur Sommersaison erschweren die kilometerlangen Blechlawinen Richtung Königssee jedes Weiterkommen. Was wäre das für die Gäste, die Einheimischen und die Umwelt schön, wenn jetzt dieser alte Bummelzug noch fahren würde…
    Die Malve fängt an zu keimen, erste winzig kleine Blättlein sind schon da! 😀

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    • Ja hoffentlich können sie schon nicht mehr sitzen… manchmal wird schon viel Dummes getan, bis heute…
      Und die hat es aber eilig oder du sooooo einen grünen Daumen… „Zeigt her eure Daumen…“ :mrgreen:
      Nein, das ist suuuuper und freut mich sehr für dich! ❤
      Liebe Grüße
      Ute

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      • Eigentlich hatte ich bisher eher zwei braune Daumen, sogar Basilikum hat sich bei mir nie länger als eine Woche gehalten. :mrgreen: Ich staune täglich sehr darüber, daß sich meine Pflanzen auf dem Balkönchen bislang so wacker halten – und sogar wachsen und gedeihen! 🙂
        Die Malve muss es in der Tat sehr eilig gehabt haben, denn die Kerbelsamen von Frau Landgeflüster, die ich zur gleichen Zeit ausgesät habe, machen noch keine Anstalten zu keimen. 😉
        Liebe Grüße!

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      • Also gerade Basilikum ist nicht unbedingt dafür gezogen, um weiter kultiviert zu werden. Das kam sogar mal im TV. Schließlich wollen sie was verkaufen! 😉 Das ist ziemlich zickig und es ist oft Glückssache, wenn das nicht eingeht.
        Ich habe dieses Jahr erst ganz spät welches gepflanzt, als es dann wirklich halbwegs warm war. Bis jetzt geht es. Mal sehen, wie es die angesagten 7 Grad heute Nacht verträgt. Das mag Kälte nicht wirklich.
        Liebe Grüße
        Ute

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  2. Claudia schrieb:

    Liebe Ute, auch ich hatte große Freude und viel Lese-Spaß an Deiner nostalgischen Geschichte aus einer längst vergangenen Dampflok-Zeiten! Erinnerungen an Endes „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ oder Kästners „Thomas, die kleine Lokomotive“ wurden wach. In Bochum, gibt es auch ein hübsches Eisenbahn-Museum. Die Sendung „Eisenbahn-Romantik“ erfreut sich großer Beliebheit. Ich finde, seit der Privatisierung der Deutschen Bahn macht das Reisen nicht mehr soviel Vergnügen. Die modernen Hochgeschwindigkeitszüge fahren hier in NRW nur auf bestimmten Linien, viele Geisterbahnhöfe und unbenutzte Strecken blieben zurück, alles, was unwirtschaftlich ist, wird geschlossen oder wegrationalisiert. Darüber kann viel diskutiert werden.

    Vielen Dank auch für die schönen Bilder der überwucherten Gleisen und verwachsenen Trassen, die zeigen, dass sich die Natur alles wieder „zurückholt“ und Gras drüber wachsen lässt.

    Ein schönen Tag wünscht Dir

    Deine Claudia ❤

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    • Liebe Claudia,
      das freut mich. Auch, dass es dich an die bekannten Geschichten erinnert. Dankeschön!
      Mit ihnen vergleichen will ich mich aber in keinster Weise. Das ist eher das, was man so erleben konnte, wenn man vor einer Schranke oder auf den Zug gewartet hat. Wenn hier auch etwas märchenhaft und romantisch verklärt.
      Und stimmt in Bochum gibt es auch ein Eisenbahnmuseum. In Nürnberg auch, das ist auch klasse. Die schönsten Museen sind allerdings die echten Strecken.

      Und ja, da muss ich dir leider recht geben. Am besten würdest du das bei der DB und vor allem bei der Politik monieren. Denn die war ganz gierig auf die Privatisierung (nicht nur der Bahn) und auf die Knete.

      Ansonsten ist es aber schon gut, wenn neue Technik Einzug hält. 45 Jahre auf der Lok Kohle schaufeln, ist mit Sicherheit kein Zuckerschlecken und danach die Knochen wahrscheinlich zu nix mehr zu gebrauchen. Auf Museumsstrecken sollte es aber unbedingt erhalten werden!

      Bitte gerne doch und daran kann man gut sehen, wie schnell die Werke der Menschen verschwunden sind, gell?

      Dir einen ganz schönen Sonntag und liebe Grüße
      Ute

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  3. Liebe Ute eine sehr schöne Geschichte toll formuliert einfach super sei ganz lieb gegrüßt und ein herrliches Wochenende wünscht dir Klaus

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  4. Schöne Bilder und Geschichte habe euch vermisst bin wieder aus dem Krankenhaus das ist gut.Wünsche ein gutes Wochenende.Lieber Gruß Gislinde

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  5. Liebe Ute, es wurden schon etliche Schienenstränge eingelullt.
    Bei vielen wurden sogar die Schienen entfernt, so dass da heute Radstrecken sind, zum Beispiel. Das gibt es im Ruhrgebiet mehrfach.
    Oder die Natur hat sich die Trassen zurückerobert.
    Deine Geschichte ist so genau beschrieben, das hast du wohl damals öfter erlebt….
    deine Bärbel

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    • So ist es liebe Bärbel und die Strecke hat sich die Natur auch schon kräftig zurück eroberbert.
      Und recht hast du. Sowas und ähnliches konnte man erleben, wenn man vor einer Schranke oder auf den Zug gewartet hat. Auch wenn die Figuren fiktiv und der Rest etwas märchenhaft und romantisch verklärt ist. 😉
      Liebe Grüße
      deine Ute

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      • Genau, du hast das so lieb erzählt, einfach zauberhaft.
        Stimmt, da stand man oft und konnte nur zuschauen, weil, was sollte man sonst tun???

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  6. Liebe Ute, das hast du sehr schön geschrieben, heute sind ja viele dieser kleinen Bahnhöfe außer Betrieb, schönen Samstag, Klaus

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  7. So manche Bahnhöfe und Schienen haben schon bessere Zeiten erlebt und die Menschen, die einfach wegrationalisiert wurden, hatten wichtige Aufgaben 😦 .

    LG Anna-Lena

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    • So ist es leider liebe Anna-Lena. Und dort fährt schon lange kein Zug mehr.
      Aber so ist es eben, nichts bleibt wie es ist. Manches Neue ist gut, anderes weniger.

      LG
      Ute

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  8. und nach 100 JAHREN wieder erWACH(t)das ist doch was….manche erwachen in keinster WEISE…HERZlichst und einen guten SAMS–TAG gewünscht…..HERZlichst ANDREA:))

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