Willkommen unterm Regenbogen

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Der Käse ist schon eine Weile „verdaut“… 😉

Emmentaler aus dem Allgäu… das Emmental ist doch eigentlich in der Schweiz…. ist das nun alles Käse und in Kupferkesseln „abgekupfert“?

Alles nur „geklaut, gestohlen und geraubt“? Also Käse wurde im Allgäu schon lange hergestellt, allerdings eher zur kleinbäuerlichen Eigenversorgung.

Er wurde mittels Flößerei auf der Iller (Donau) bis nach Ulm und Passau gehandelt. Die Qualität war aber bei weitem nicht so gut wie in der Schweiz, Holland und Belgien.

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Ende des 18. Jahrhunderts gab es schon einmal eine „Globalisierung“ und billige Baumwolle aus Amerika und Ägypten verdrängte das Leinen,

welches aus dem im Allgäu angebautem Flachs>>>>  hergestellt wurde.

So verloren viele Bauern ihre Erwerbsgrundlage und viele wanderten auch nach Amerika aus.

Etwas anderes musste her…

1815 wurde im schweizerischen Kiesen, in einer Talkäserei, ein exportfähiger, qualitativ hochwertiger Käse hergestellt.

Immer häufiger wurden solche große Laibe (bis zu einem Zentner), dieses temperaturunabhängig haltbarem Käse, ins Allgäu eingeführt.

Die unpasteurisierten Rohmilchkäse erzielten einen fast doppelt so hohen Preis und drohten zur Konkurrenz zu werden.

Die Allgäuer Bauern, Milchkäufer und Käsehändler versuchten deshalb, diesen Käse selbst herzustellen.  Der Oberstaufener Fuhrunternehmer und Käsehändler Josef Aurel Stadler holte 1821 zwei junge Schweizer, die in der Käserei von Weiler im Westallgäu (Richtung Bodensee) Allgäuer Emmentaler herstellten. 1823 wurde ein Allgäuer Älpler für seinen Käse ausgezeichnet.

1806 wanderte der Schweizer Franz Schelbert nach Deutschland aus. Er pachtete im heutigen Haldenwang-Wagenegg bei Kempten ein Gut und stellte Emmentaler Käse her.

Sein Sohn errichtete in Immenstadt im Allgäu eine Rundkäserei. Sie waren die ersten, die im Allgäu Emmentaler Käse produzierten.

Stadler war es auch, der Johann Althaus (* 9.9.1798  †20.6.1876) aus Lauperswil bei Langnau im Emmental, ins Allgäu holte.

Er produzierte 1827 die ersten traditionellen Zentner-Laibe nach Schweizer Art im Allgäu. In ganzjähriger Produktion und Reifung und in nennenswerter Menge.

Im Sommer auch auf der  hinteren Au-Alpe>>>   im Gunzesrieder Tal.

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Hier weiter vorne im Tal… Alpe Vorsäß 1 von 3 … 😉

 

Im Winter in der Kirchstrasse 10 in Blaichach.

Dieses war der gräfliche Montfort-Rothenfelsische Sennhof mit Getreideanbau, Viehzucht, Milchwirtschaft, Pferdegestüt und Geflügelhof.

Da die Milch nur über den Winter für die Herstellung der großen Käselaibe reichte, schickte Besitzer Johann Florian Fritz,

den Sennen im Sommer auf die hintere Au-Alpe im Gunzesrieder Tal.

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Nach vierjähriger Ehe und eiserner Sparsamkeit, kann Johann Althaus ein Gut in Sonthofen kaufen. 1835  eröffnete er dort eine eigene Sennerei.

In Richtung Hirschstraße bis zur Blumenstraße erstreckten sich ein Feld mit einem Nebengebäude.

Später kaufte er noch das hintere Retterschwang (bei Hindelang), welches heute den Prinzen Georg und Konrad von Bayern gehört.

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Hier ein (gemaltes) historisches Bild von der Hirschbrauerei etwas weiter oben in der Hirschstraße. Dort wo links davon die Wiese ist, könnte das Feld in etwa gewesen sein.

Auf der Seite vom Brauereigasthof, findet sich auch eine Karte…>>>>

Das Haus Bahnhofstraße 16 musste 1998 abgerissen werden. Jetzt steht dort das Gebäude mit dem Balkon oben, rechts neben den zwei großen Lärchen.

Sie wurden angeblich 1870 durch französische Flüchtlinge gepflanzt und stehen unter Naturschutz.

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Die großen Löcher fehlten dem Allgäuer Emmentaler aber vorerst noch. Da musste erst einer „nachbohren“ und 1840 Gärkeller nach Schweizer Vorbild einführen.

Als der Gemeindeobmann Johann Flübinger (Johann muss zu der Zeit ein absoluter Modename gewesen sein) und der Gemeindeschreiber Christian Badertscher am 13.4.1827 in der Amtsstube von Lauperswil, ein wohlwollendes Schreiben für die Ausstellung eines Reisepasses für einen Sohn ihrer Gemeinde aufsetzten, ahnten sie sicher nicht, dass man später mal für ihn in Sonthofen und Blaichach Gedenktafeln aufstellt und Plätze nach ihm benennt. Der Platz bei den Lärchen ist nach Johann Althaus benannt.

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Es gibt an die 300 Nachkommen des eingewanderten Johann Althaus. Überall wo man im Allgäu auf den Namen Althaus trifft, sind das Nachkommen von ihm. Auch in Sonthofen, Fischen Oberthalhofen, Oberstdorf, im Walsertal, am Ammersee, bei München, bei und in Zürich, im Kanton Thurgau, selbst in Kanada und der USA. Sie wurden vom Schreiber erforscht und auf einer 12.60 m langen Rolle festgehalten.

Das Grab von Johann Althaus und seinem Bildnis, findet man bis heute auf dem Sonthofer Friedhof. Bei ihm liegt natürlich seine starke und fleißige Frau, die ihn um 10 Jahre überlebte.

Sie konnte ebenso gut käsen wie ihr Mann und stellte aus Sparsamkeitsgründen viele Dinge selbst her. Sie kannte sich auch mit Kräutern aus, was den Arzt ersparte.

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Carl Hirnbein holte später noch zwei Holländer ins Allgäu, die die Weichkäsesorten Romadur und Limburger „mitbrachten“.

Mit der Käseproduktion und Alpwirtschaft kamen auch die ersten „Sommerfrischler“ und mit beidem, der wirtschaftliche Aufschwung im Allgäu.

70 Prozent der deutschen Emmentaler-Käseproduktion kommen heute aus dem bayrischen Allgäu.

Am Haus Hauptstraße Nr. 11 in Fischen (Restaurant Gaisbock), soll das Familienwappen der Familie Althaus zu sehen sein. Das ist aber wohl der Renovierung zum Opfer gefallen.

Es zeigt auf schwarzem Schild, ein altes Haus auf grünem Hügel und als Helmzier, über einer goldenen Krone, eine rote Rose zwischen zwei Füllhörnern.

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Fazit… was war das nun? „Nur geklaut“ sicher nicht. Eher ein klein wenig „Werksspionage“, aber mehr Hilfe zur Selbsthilfe durch Einwanderer aus der Schweiz.

Die hier durchaus auch ihr „Glück machten“ und heimisch geworden sind. Herausgekommen ist noch eine Gegend mit feinem Käse.

Und sowohl das Allgäu, als auch die ursprünglichen Schweizer Heimatorte der „Einwanderer“, können stolz auf Johann Althaus und Co. sein.

Wer mal schauen oder auch probieren will… hier Links zur
Sennerei Gunzesried >>>>
Oder auch zur Sennerei Hüttenberg >>>>

Übrigens… in den USA ist Rohmilchkäse verboten. Was wird aus ihm, sollte TTIP kommen? Kein Normalbürger weiß, was verhandelt wird und was nachher dann noch für Gesetzeslücken auftauchen, die unsägliche Entscheidungen möglich machen. Das könnte unter Umständen richtig Käse werden. Nicht nur in Bezug auf Käse und Co. Siehe das Nafta- Abkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Von dem für TTIP kräftig abgekupfert wird…
Ein sehr guter Artikel…
Nafta- Versprochen – gebrochen… hier klicken >>>>

Und was für ein Glück, dass es immer Geschichtsschreiber gibt, die alles aufschreiben.

Im folgend verlinktem PDF-Dokument, ist noch viel mehr über Johann Althaus nachzulesen. Ebenso eine Kopie eines Briefes vom damaligen Inhaber der Käseexportfirma Lehmann & Co. in Langnau im Emmental, an ihn.

Aufbewahrt wird er in einem Buch aus dem Jahr 1828 in derselben Firma.

Zur Erzählung von Armin Müller …Hier klicken… >>>

 

 

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Kommentare zu: "Alles Käse oder was?" (18)

  1. Genau! Die Geschichte der Allgäuer Käseherstellung habe ich vor ein paar Wochen erst im Fernsehen gesehen, in einer Sendung über die angeblich original bayerische Küche… 😉

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  2. Liebe Ute,
    ein rundherum lesenswerter Beitrag mit der richtigen Mischung aus Bild und Text. Das ist alles…nur kein Käse 🙂 Und beim Thema TTIP bleibt es spannend, da die Kritik lauter wird. Bleibt zu hoffen, das die Politik bei diesem ernsten Thema keinen Käse produziert 😉
    Liebe Grüße aus dem winterkühlen Norden,
    Stefan

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    • Dankeschön lieber Stefan. Es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt.
      Ja die Kritik wird lauter… aber die Begeisterung der Politik für TTIP scheint zu wachsen.
      Das war heute Abend wieder eindeutlich von der Kanzerin zu vernehmen. 😡

      Liebe Grüße aus dem verschneiten Süden in den winterkühlen Norden zurück
      Ute

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      • Nimm ruhig das Lob, liebe Ute. Wenn alle Macht vom Volke ausgeht, sollte man dem Volk auch auf´s Maul schauen und zuhören. Österreich heute zeigt es, wohin dieser fadenscheinige Weg/Politik führt. Deutschland steht vor einer schwierigen Situation. Denn die Amerikaner werden den Druck erhöhen. Warten wir ab, bleiben kritisch und behalten uns die Contenance 😉
        Liebe Grüße in den verschneiten Süden und auf eine baldige Rückkehr vom Frühling,
        Stefan

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      • Da kann ich dir nur recht geben lieber Stefan. Ja die Amerikaner und auch deutsche Konzerne. Die haben ein mindestens genauso großes Interesse.
        Liebe Grüße und eine gute Nacht
        Ute

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  3. Liebe Ute, was für eine hochinteressante Entwicklung die Herstellung des Emmentalers im Allgäu genommen hat! Bei diesen Diskussionen über Klau oder nicht, kommt mir gleich wieder dieser Ricola-Werbespot in den Sinn: „Wer hat’s erfunden?“ ^^
    Haben die Spezialisten zu viel verraten oder haben die Allgäuer zu sehr gelöchert? Nun, es sich ja alles geregelt zu haben.
    Schlecht wäre es aber wirklich, wenn es (durch TTIP oder ähnliche Vereinbarungen) dazu käme, dass Rohmilchkäse plötzlich nicht mehr zugelassen werden würde oder in zig Länder nicht hin verkauft werden dürfte.

    Mir hat nicht nur dein ausführlicher Bericht sehr gut gefallen (inkl. der Links), sondern auch deine Fotogalerie kann sich sehen lassen! Wieder eine sehr gelungene Ergänzung deines Beitrags!

    LG Michèle

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    • Lach, ja wer hat’s erfunden… die Werbespots waren sehr witzig. Auch Dank des Schauspielers…
      Und ich glaube, damals hat keiner an stehlen oder Geheimnisverrat gedacht. Die Senner haben einfach nur guten Käse machen wollen und gemacht. Egal wo… Auch der Firmenchef des Schweizer Käsehandels, hat sich in seinem Brief an ihn, nur für Althaus gefreut, dass ihm der Käse im letzten Sommer wohl gut gelungen ist.
      Und was TTIP und Co betrifft, geht es um weit mehr als Käse. Das wäre nur eines von vielen Dingen…Wenn du den Bericht zu Nafta liest, kannst du die einzelnen Schritte von damals, haargenau auf jetzt übertragen. Unsere Politik ist aber ziemlich scharf darauf, wie abends wieder von der Kanzlerin zu hören war. 👿
      Es freut mich sehr, dass dir der Bericht gefallen hat.
      Dankeschön und noch einen schönen Abend!
      LG
      Ute

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  4. da bin ich nun wieder etwas klüger, mache es gut und eine gute neue Woche

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  5. Liebe Ute,
    was du alles heraus bekommst.
    Erfindungsreiche Leute haben dem Allgäu geholfen.
    deine Bärbel

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  6. Sind ja wieder mal so klasse Bilder von deiner Heimat, die ja auch ich lieben lernte und auch sehr interessant zu lesen liebe Ute! 🙂
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich dir von Herzen ❤

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  7. Einen schönen Sonntag liebe Ute ja es wird schön viel geklaut und wir werden für dumm verkauft aber Menschen lassen sich ja gerne betrügen; schöne Fotos .Wünsche dir noch einen schönen Tag lieber Gruß Gislinde

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    • Danke liebe Gislinde, den wünsche ich dir auch. Und in dem Fall ging es eher darum, ob sie den Schweizern das Käserezept „geklaut“ haben. Aber das war wohl eher „Amtshilfe“ von eingewanderten Schweizern. 😉
      Liebe Grüße
      Ute

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  8. Guten Morgen liebe Ute ja der Käse vom ganzen Stück abgeschnitten da schmeckt es besonders lecker einen schönen Sonntag wünscht dir Klaus in Freundschaft

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