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Beiträge mit Schlagwort ‘Buchtipp’

Monsier Linh und die Gabe der Hoffnung…

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Mal wieder ein Buch oder vielleicht besser ein „Büchlein“…aber auch kleine Dinge können „groß“ und „beeindruckend“ sein.

In dem Fall das Buch „Monsier Linh“ und die Gabe der Hoffnung“ von Philippe Claudel.

Klappentext:

In seiner Heimat hat Monsier Linh nach einem Bombenangriff alles verloren. Er flieht mit seiner Enkeltochter in ein fremdes Land, in eine kalte, verregnete Stadt.

Mit anderen Flüchtlingen wohnt er in einem Heim, wo er sich einsam und verloren fühlt. Da lernt er auf einem Spaziergang den dicklichen Monsier Bark kennen.

Monsier Bark redet und redet, obwohl Monsier Linh ihn gar nicht verstehen kann. Ohne Worte erzählen sich die beiden Männer von Glück, Sehnsucht und Hoffnung-

und teilen ein trauriges Geheimnis.

Woher Monsier Linh genau kommt, wird in dem Buch nicht erwähnt. Nach den „Erzählungen“ Monsier Linh’s von seiner Heimat, könnte der Autor eventuell an Südostasien, vielleicht Vietnam, gedacht haben.

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem die Menschen so wenig in gesprochenen Worten miteinander geredet haben.

Um so mehr in Gedanken und mit wortlosem Verstehen, berührenden Gesten und Szenen. Man kann sie ganz „reell“ in Gedanken  sitzen, sich unterhalten und gestikulieren sehen.

Die zwei Männer verbindet nach einer Weile eine tiefe, spürbare Freundschaft und eine gemeinsame Vergangenheit, auf unterschiedlichen Seiten.

Für die Monsier Linh sogar aus dem Altersheim „ausbüchst“, in dem man ihn inzwischen untergebracht hat. Nur um seinen Freund, den „dicken Mann“ wiederzusehen.

Immer dabei und liebevoll von Monsier Linh umsorgt, seine Enkeltochter.

126 Seiten Wort-Poesie, von der es sich lohnt, jedes einzelne Wort zu lesen! Jedes einzelne Wort über tägliche, selbstverständlich gelebte Menschlichkeit.

Die keine großen Gesten und Spenden braucht, nur Zuhören, Verstehen, sowie sorgsam und rücksichtsvoll mit dem Anderen umgehen.

Eine Art Menschlichkeit, die uns oft verlorengegangen ist, je dicker das Bankkonto, um so geringer scheint oft die Menschlichkeit zu werden. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel!)

Und an die viele sich nur kurz vor Weihnachten in den großen Spendengalas erinnern.

Gerade jetzt und (leider) eigentlich immer ein aktuelles Thema.

Fazit: Absolut lohnenswert zu lesen! Und eine kleine Überraschung hält der Autor am Ende des Buches, auch noch für den Leser bereit… 😉

Veröffentlicht 2007, im Rohwolt Taschenbuch Verlag, ISBN 9783 499 24204 5

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Der Pestengel von Freiburg… Buchtipp

Der (noch) neueste historische Roman von Astrid Fritz… jetzt im September 2012, soll erneut einer erscheinen…

(Hier das Cover von der Weltbild-Ausgabe)

Aus dem Klappentext:

Freiburg, 1348: Unaufhaltsam wälzt sich die Pest von Süden heran. Schuld an der Seuche sollen die Juden sein. Als Clara, die Frau eines Wundarztes, herausfindet, dass ihr Sohn das jüdische Nachbarsmädchen Esther liebt, versucht sie mit allen Mitteln, ihn vor der gefährlichen Verbindung zu schützen. Es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen Mutter und Sohn und in der gleichen Nacht zu Esthers Verhaftung.
Unterdessen erkennt Claras Mann, dass sich der schwarze Tod durch Ansteckung verbreitet und schickt seine Familie aus der Stadt.
Als er bald darauf selbst an Lungenpest stirbt, kehrt Clara zurück und tritt sein Vermächtnis an. Wagemutig lässt sie alle Ressentiments hinter sich und sagt nicht nur der Pest, sondern auch dem Hass gegen die Juden den Kampf an.

Wie alle ihre Bücher, kein historischer Roman von der „Stange“….
menschlich, gesellschaftskritisch, einfühlsam…
Durch ihre fundierten geschichtlichen Kenntnisse (Historikerin), versteht es die Autorin wie kaum jemand anderes, ihre Leser auf eine spannende Reise ins mittelalterliche Leben Freiburgs mitzunehmen. Wer in Freiburg war und die Gassen kennt, dem wird einiges bekannt vorkommen. Bei uns haben ihre Bücher übrigens keinen kleinen Anteil daran, dass wir Freiburg kennenlernen wollten. 😉
Die „fein gezeichneten“ Charaktäre, lassen die Menschen in ihren Büchern zum Leben erwachen.
Auf der Reise begegnet man großen Gefühlen, Liebe, inniger Zuwendung, aber auch den tiefsten Abgründen der menschlichen Seele, die einen manchmal auch sehr betroffen machen.

Die Figuren in ihrem Buch sind „Charaktäre“, starke Frauen und Männer, von denen mancher vermuten würde, dass sie „machtlos“ sind und trotzdem in mehr als schweren Zeiten, mutig und stark genug sind, anderen zu helfen. Auch unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Und damit mehr vollbringen, als sie sich vielleicht selbst zugetraut hätten.

Obwohl die Figuren im Roman erfunden und Fiktion (ausgenommen Stadtobrigkeiten und Freiburger Grafen) sind, solche Menschen hat es zu allen Zeiten gegeben. Sie erscheinen nur in keiner Chronik, weil sie keine legendären Schlachten geschlagen haben, keine Schlösser gebaut (bauen lassen) haben etc. Ihre Leistungen waren aber eigentlich viel größer und menschlicher, als die aller Kriegs-und Schloßherren zusammen.

Den vielen Namenlosen hat Astrid Fritz nun mit ihrem Buch indirekt ein Denkmal gesetzt, welches sie mehr als verdient haben!

Weiterhin lehrt das Buch, selbst in einer anscheinend ausweglosen Situation sollte man nie die Hoffnung verlieren. Es gibt immer einen neuen Anfang. Und hin und wieder meint es das „Schicksal“ ja auch gut und es passieren Dinge, die man nicht erwartet hätte.

Mein Fazit:
Wieder ein mehr als lesenswerter historischer Roman. Der durchaus auch seine Parallelen in unsere Zeit hat.

Denn die Zeiten haben sich geändert…die grundlegenden Eigenschaften der Menschen nicht…

So einige Aussagen und Handeln der Romanfiguren, kommen sicher vielen, auch aus unserer Zeit bekannt vor… 😉

Am Ende des Buches ist ein sehr informatives Nachwort der Autorin…

Von mir gibt es dafür “ 10 von 10 Punkten“…. Lesestoff der Spitzenklasse!

Mehr Hintergrundinformationen über ihre Bücher, kann man auf der Internetseite von Astrid Fritz finden.

Und ich freue mich schon auf ihren neuen Roman!

Martinstor…Stadttor und Gefängnis…

Ursprünglich das Norsinger Tor. Freiburgs ältester erhaltener Wehr-und Torturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung, erbaut Anfang des 13. Jahrhunderts…

Es sollte, wie das Schwabentor, Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen werden, was Oberbürgermeister Winterer zum Glück verhindert hat.

Hier war ursprünglich das Gefängnis untergebracht.

Frauen, vorwiegend Hexen, oben und Männer unten. Wurde jemand eingesperrt, hieß es, man habe ihm den Martinsmantel umgehängt.

Durch das Tor gingen die zum Tode verurteilten zu Hinrichtung.  Unweit davon war auch der Stadtgraben, in dem Verurteilte geschwemmt (an einem Seil durch`s Wasser gezogen) und Frauen in einen Sack eingebunden, ertränkt wurden.

An der Ostseite des Tores (Richtung Altstadt) ist (inzwischen eine neue *loooob*) Gedenktafel angebracht. Zum Andenken an die am 24. März 1599 enthaupteten und verbrannten „Hexen“: Margaretha Mößmerin, Catharina Stadellmenin und Anna Wollfartin. Stellvertretend für alle, die diesem Wahn zum Opfer fielen.

Über diese Frauen gibt es auch ein Buch von Astrid Fritz, Beschreibung vom Buch + Hintergründe hier…. Die Hexe von Freiburg

Teilweise mit, durch alte Gerichtsakten und anderen Unterlagen belegten Tatsachen… Catharina Stadellmenin wohnte an der( jetztigen) Stelle Schiffsstraße 14, im Haus „Zur guten Stund`“. In Freiburg gibt es bis heute sehr viele Häuser mit einem „bezeichnenden“ Namen. Sie wurde zuerst ins Gefängnis im Predigerturm (abgerissen, Nähe Siegessäule) gebracht, danach in die Folterkammer im Christoffelsturm (ebenfalls abgerissen).

1546 wurde in Freiburg die erste „Hexe“ hingerichtet. Die Besenbinderin Anna Schweizerin…sie wohnte in der „Wolfshöhle“, etwa an der Stelle des gleichnamigen Gasthauses, Konviktstrasse 5.

Im „Haus zur schwarzen Katz“ wohnte Freiburgs Henker… neben Folterknecht und Scharfrichter, war er „Arzt der kleinen Leute“, da er sich in der Anatomie gut auskannte…reinigte Latrinen und leitete das Bordell, genannt „Haus zur kurzen Freud`…

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