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Wenn es „eggt“…

Dieses Jahr eggte es wieder…am14.2., dem Sonntag nach Fastnacht. Beim Egga-Spiel, einem Fastnachtsbrauch aus vorchristlich-alamannischer Zeit. Um den Kampf der Menschen mit den Naturgewalten, deren Auswirkungen sie sicher heftig zu spüren bekamen.

Aufgeführt auf dem Marktanger. Alle 3 Jahre durch den Heimatdienst Sonthofen. Die Darsteller tragen handgeschnitzte Holzmasken, die den Rest des Jahres im Heimatmuseum ausgestellt sind. Früher waren es nur Männer/Buben, seit 1993 dürfen Mädchen /Frauen auch mitspielen. Auch an alten Spielen geht die neue Zeit nicht spurlos vorrüber. 😉

Ein „Zeremonienmeister“ erklärt, was beim pantomimischen Spiel passiert.

Es spielen mit… Bauer, Bäuerin, Bue (Sohn), Föhl (Tochter), Magd, Knecht, Kuh, Molle (Stier), Pferde, Sau, Katze, Hund, Gockeler (Hahn), Geißbock und natürlich die Hexe. Die überall aneggt, d.h.alles misslingen läßt.

 

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Diese sieht zwar so aus, ist aber nicht in dem Sinne gemeint, was wir uns in der heutigen Zeit unter einer Hexe vorstellen. Gemeint sind die bösen Geister, an die unsere Altvorderen glaubten und denen sie, Schlechtes was ihnen widerfuhr, zuschrieben.

-Unser Hexenbild stammt wohl eher aus den bösen Träumen so manches Kirchenmannes. Und die wurden für viele unschuldige Menschen zum Nachtmahr, zum Albtraum. Und wenn er nicht gerade „ketzerische Thesen an Kirchentüren nagelte“, glaubte übrigens auch Martin Luther an Hexen und empfahl ihre Verfolgung.

Die letzte in Deutschland als schuldig verurteilte „Hexe“, war übrigens  1775  Anna Maria Schwegelin, eine Dienstmagd aus Kempten. Das Todesurteil wurde aber wohl nicht vollstreckt.-

Das Spiel handelt davon, dass der Bauer mit dem Knecht und Bue das Feld bestellen will. Die Magd ist mit Flachs (-stroh) brechen, denn früher wurde im Allgäu viel Flachs (  Lein>>>  ) angebaut, beschäftigt. Das Stroh muss gebrochen werden, damit es später versponnen werden kann. Die Bäuerin hat ebenfalls in Haus und Küche zu tun und `s Föhl richtet inzwischen eine Brotzeit für alle her.

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Nur will an diesem Tag nichts so richtig klappen. Es „eggt“ an allen Ecken und Enden…

Die Hexe ist dazwischen gefahren und bringt alles durcheinander.  Macht das Vieh scheu, verdirbt das Essen, das Geschirr und selbst die Katze fliegt. Und das mit Feld bestellen, wird auch nichts.

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Alle beginnen die Hexe zu jagen, schließlich spürt der Hund sie auf und sie kann gefangen werden. Eine aus Stroh endet dann im Funkenfeuer am Abend.

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Alle freuen sich und tanzen.

Die Masken sind ziemlich schwer und es ist eine ziemliche Leistung, damit die etwa 45 Minuten zu spielen. Das Ganze zu fotografieren, scheint aber auch anstrengend zu sein. 😉

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Um ganz vorn zu stehen und das Spiel selbst fotografieren zu können, muss man sich schon sehr früh „anstellen“. Oder von der Presse sein… 😉 Wir waren vorher noch unterwegs und sind erst zum Umzug (der vorher durch die Stadt stattfindet) gekommen. Deswegen gibt es nur Fotos von der anschließenden „Ehrenrunde“ der Darsteller.

Am Brunnen vor dem Rathaus in Sonthofen -von Joseph Michael Neustifter (Eggenfelden)-  kann man die Figuren vom Egga-Spiel immer betrachten.

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Nicht geeggt hat es übrigens beim Wetter. Es hat  währen des Egga-Spiels gehalten und trocken heim gekommen sind wir auch noch. 😉

Das „Egga-Spiel“…

Wie schon angekündigt, ein Artikel über das aller 3 Jahre stattfindende „Egga-Spiel“ in Sonthofen. Da Sonthofen dieses Jahr 50 jähriges Stadt(-erhebungs-) jubiläum feiert, wurde es von 2012 auf 2013 verlegt.
Leider wurde es auch letzten Sonntag aufgeführt, an dem wir Spätschicht hatten. So gibt es von uns nur Fotos vom Stadtbrunnen, der es aber schön darstellt. Der Brunnen stammt vom Bildhauer Joseph Michael Neustifter (Eggenfelden).

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Das Egga-Spiel ist ebenfalls auf heidnischen Ursprung zurückzuführen. Wortlos wird die Auseinandersetzung der Menschen mit den Naturkräften dargestellt.

Sinnbildlich als Arbeit der Bauern auf dem Feld und im Haus. Die Hexe verkörpert das Dämonische und bringt alles im Leben der Menschen kräftig in Unordnung.

An allen Ecken „eggt“ es an. Sprich, es geht alles schief, „klemmt“ an allen Ecken und Enden.

Die Darsteller tragen handgefertigte Holzmasken. Bauer und die Bäuerin, Knecht und Magd, „Bue und Föhl“  (Bub und Mädchen). Die Tiere gehören auch dazu:

Pferd, Kuh, Molle (Stier), Katz und Hund, Sau, Gockelar, Geißbock…

Auf dem Marktanger befindet sich jeweils der „Bauernhof“ mit dem „Acker“, auf dem die Hexe ihr Unwesen treibt und alles durcheinanderbringt.

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Oben am Brunnen… Bäuerin und  Bauer mit den Tieren…

und unten, klar die Hexe…

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Auf der Website von Sonthofen kann man Fotos vom Spiel anschauen.

Die Masken sind das Jahr über, im  Heimathaus Sonthofen  ausgestellt.

Die Menschen früher mussten zum Teil mit sehr widrigen Lebensverhältnissen, Witterungsunbilden, Krankheit und Tod von Tieren und mehr klar kommen, vieles davon konnten sie sich nicht erklären.

Daher rührt der sicher der „Dämonenglaube“ erklären. Irgendetwas musste das alles ja verursacht haben.

Und schön, wenn alte Bräuche in solchen Aufführungen weiterleben. Denn manches beeinflusst bis heute unbewusst unser Denken und Tun.

Die Fotos können wieder einzeln angeklickt und größer angeschaut werden.

Wir wünschen allen ein schönes Wochenende und dass es nicht „eggt“.

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