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Bücherwurm… „Seelenfeuer“…

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Wieder spannender Lesestoff für´s Wochenende oder später… 😉

Ein „Weihnachtswunsch“ und historischer Roman aus der Zeit des Mittelalters, welchen ich an vier Abenden „verschlungen“ habe…

„Seelenfeuer“…

Klappentext:

Die neunzehnjährige Luzia Gassner führt ein beschauliches Leben als Hebamme am Bodensee. Doch als ihre Mutter stirbt, muss sie im Jahre 1483 deren Nachfolge in Ravensburg antreten. Sie verlässt sich bei ihrer Arbeit nicht auf Gebete, sondern auf die Kräuterheilkunde und ihren medizinischen Sachverstand, den sie durch die Freundschaft  mit dem jungen Medicus Johannes von der Wehr gezielt schult. Mit Bilsenkraut und beherztem Eingreifen rettet sie vielen Frauen und Neugeborenen das Leben. Damit fordert sie aber auch den Hass des mächtigen Kaplans heraus. Als ein Hagelunwetter und die Pest die Stadt verwüsten, ergreift der Kaplan die Gelegenheit, um Luzia der Hexerei zu bezichtigen. Einzig ihr Onkel und Johannes von der Wehr glauben an ihre Unschuld. Doch werden sie Mittel und Wege finden, Luzia vor dem Scheiterhaufen zu retten?

Die Autorin wählte für ihre Romanfigur eine junge Frau, die damals sicher in Gefahr gewesen wäre, als Hexe verfolgt zu werden.

Leuchtend rote Haare, (noch) unverheiratet, wissbegierig, mit großem Wissen über Pflanzen und deren Wirkung, sowie in einem heilendem Beruf tätig.

Des Lesens und Schreibens mächtig (schwer erkämpft und erlitten) , eigenständig und sie besaß einen schwarzen Kater namens Nepomuk.

Eine selbstbewusste junge Frau, die „nur“ den Frauen helfen möchte und das auf Grund ihres Wissens auch kann.

Da hätte sicher der eine oder andere Angst vor ihrer Courage bekommen.

Geschrieben ist das Buch in einem wunderschönen, lyrischen und bildhaftem Schreibstil. Die Autorin muss ihre Heimat, den Bodensee, sehr lieben.

Ich habe noch nie so schöne und bezaubernde Be-und Umschreibungen für die Stimmungen am Bodensee und vom Bodensee gelesen. Das schöne Meersburg und das Kloster Reichenau bleiben auch nicht außen vor.

Ebenso bildhaft sind die handelnden Personen beschrieben. Dadurch kann man sich gut in das Leben der Menschen und diese Zeit „hineinlesen“.

Ganz nebenbei wird noch viel Wissen über das Leben zu dieser Zeit, das Denken, den Glauben und die Bräuche vermittelt.

Ebenso Wissen über viele Heilpflanzen.

Über einiges haben wir hier auch schon geschrieben. Wie den Johannistag (Midsummer)>>> oder den Holunder>>>

Das Leben von Luzia, ihren Freunden, Familie und Nachbarn ist sehr lebendig beschrieben. Das Thema Hexenverfolgung, bestimmt überwiegend nur im letzten Drittel des Buches die Handlung. Als der ihr schon als Kind nicht wohlgesonnene Kaplan, auf dieses Mittel verfällt, um Luzia loszuwerden.
Luzia selbst, wäre eigentlich viel lieber am Bodensee geblieben. Ihr Bewusstsein, den Frauen helfen zu wollen und müssen und dass ihr der Beruf der Stadthebamme ein Leben als Bürgersfrau ermöglichte, sowie nicht genügend Arbeit für zwei Hebammen in dem kleinen Ort am Bodensee, ließen sie letztendlich eine andere Entscheidung fällen.
Das Leben und auch die Liebe gehen eben sehr oft, ihre ganz eigenen Wege!

Hintergründe….

Eine der handelnden Personen im Buch, ist der Dominikaner Heinrich Kramer. Bekannt als „berüchtigter Hexenjäger“ und Verfasser des unheilvollen „Hexenhammers“.

Eines Buches, welches Anleitung zur Hexenverfolgung und Vernichtung gab. Er zeigt darin  unter anderem auf, wie man eine Hexe erkennt und wie man ihr durch Folter ein Geständnis abringt.

Hebammen wurden ganz besonders verfolgt. Die Grundlagen dazu, legte der Theologe Thomas von Aquin (1225-1274).
Er behauptete, dass die heilenden Frauen schwarze Magie betrieben und mit dem Teufel im Bunde stünden.

HIER >>> kann man das nachlesen…

Und HIER >>> der entsprechende Auszug aus dem Hexenhammer.

Es wurde 1487 (Wikipedia gibt 1486 in Speyer an)  zum ersten Mal veröffentlicht. Bereits 1484 erwirkte Kramer in Rom eine Bulle, die sein Wirken gegen die Hexen autorisieren sollte. Diese fiel aber nicht zufriedenstellend aus. Trotz alledem zettelte er im Herbst 1484 in der Reichsstadt Ravensburg eine Hexenverfolgung an. Zwei Frauen wurden verbrannt, nachdem sie gestanden hatten, sich dem Teufel hingegeben und Hagel und Unwetter erzeugt zu haben. Anderen gelang es freizukommen. Und es gab tatsächlich ein großes Hagelunwetter, welches die gesamte Ernte zerstörte.
Der Hexenhammer wird auch im Zusammenhang mit einer gescheiterten großen Hexeninquisition in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck im Herbst 1486 gebracht.
Quelle und mehr über das Leben, das unselige Wirken von Heinrich Kramer und der Hexenverfolgung allgemein, sowie Auszüge aus dem Hexenhammer, kann man HIER >>> nachlesen.

Weitere Erklärungen und Hintergründe dazu, über Wetterunbilden, große Preissteigerungen und Hungersnöte in dem Jahrhundert, kann man auf der Seite der Autorin Cornelia Haller nachlesen.

HIER KLICKEN >>>

Jetzt ist die Erklärung zu den Hintergründen länger geworden, als ursprünglich geplant. Man findet im Internet allerdings auch Meinungen, in denen behauptet wird, dass die Heilkunst der Hebammen hoch anerkannt und sie deswegen nicht verfolgt wurden. Dem ist leider nicht so. Aufklärung schien mir nötig zu sein!

Mein Fazit: Ein sehr gelungenes Erstlingswerk (stände es nicht dabei, ich würde es nicht glauben), spannend, interessant und mit Freude zu lesen! Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin!

Die Autorin wurde 1966 in Immenstaad am Bodensee geboren und lebt und arbeitet mit ihrer Familie immer noch am Ufer des Bodensees.

Das Original des Buches ist 2012, beim Hoffmann und Campe Verlag Hamburg erschienen. ISBN 978-3-455-40357-2

Sehr schön und passend auch das Cover des Buches…

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