Willkommen unterm Regenbogen

Beiträge mit Schlagwort ‘Naturgeist’

Wir „spinnen“ heute mal…

Herbst und Winter, die richtige Jahreszeit um Flachs zu spinnen (aber kein Stroh zu Gold) und Geschichten zu erzählen… 😉

Denn….

unser Besuch in Eibau und im Faktorenhof, brachte noch eine Erkenntnis…

Die Orte Eibau und Sonthofen haben etwas gemeinsam… sie haben beide den Flachs (Lein) im Wappen. Auch das Allgäu war früher (bis vor etwa 150 Jahren) „blau“, von den blauen Blüten des Flachses.
Die Bauern waren mit Anbau und Verarbeitung des Flachses beschäftigt. Ende des 18. Jahrhunderts gab es bereits eine „Globalisierung“ und billige Baumwolle aus Amerika und Ägypten verdrängte das Leinen.

Verarmung und bittere Not waren hier, ebenso wie in der Oberlausitz, die Folgen. Viele Familien wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus.

Aber findige Köpfe fanden eine neue Erwerbsquelle…

Mitte des 19. Jhd. führt Karl Hirnbein die gewerbliche Weichkäserei im Allgäu ein und begründet auch den Fremdenverkehr. Um ungefähr die gleiche Zeit bringt Johann Althaus die Emmentalerkäse-Herstellung nach Sonthofen und ermöglicht damit wie Karl Hirnbein, den Bauern wieder eine Einnahmequelle. Zu dieser Zeit sind die Viehmärkte in Sonthofen mit die grössten. Bis zu 6500 Stück Vieh werden gehandelt und zum Teil in wochenlangen Märschen bis nach Italien getrieben.
(Quelle Heimatdienst Sonthofen)

Hier das Wappen von Eibau…

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Und das Wappen von Sonthofen….

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(Quelle Wikipedia Commons)

Rechts sind zwei gekreuzte Nagelschmiedehämmer. Sie stehen für den Erzabbau am Grünten. Das gewonnene Erz wurde im Hüttenwerk Sonthofen verhüttet und von den Bauern als Nebenerwerb, in zahlreichen Nagelschmieden verarbeitet.

Erst als die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts günstigeres Erz liefern konnte, versiegte auch diese Erwerbsquelle.

Auf dem Foto unten ist der „Grünten“. Auf seiner rechten Seite befinden sich die ehemaligen „Erzgruben“, heute ein Museum…

Im Vordergrund ist der Wasserskilift, zwischen Blaichach und Immenstadt gelegen.

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Wie der Flachs angebaut, verarbeitet und wofür es verwendet wird, erzählt das Märchen von der “ besiegten Mittagsfrau“, aus der Lausitz.

Die Mittagsfrau ist ein Naturgeist aus der slawischen Sagenwelt.

Die Sage entstand vermutlich, weil viele Mägde und Knechte in der Mittagshitze auf das Feld geschickt wurden und bei der Arbeit einen Hitzeschaden erlitten.

Das Märchen für unsere Leser nacherzählt….

Die besiegte Mittagsfrau

Ein Mädchen hatte beim Flachs jäten die Mittagsglocke nicht gehört und sich verspätet. Auf einmal stand die Mittagsfrau hinter ihm und hob bereits die Sichel, um es zu töten.

Schnell sprang das Mädchen auf, raffte ebenfalls eine Sichel vom Feldrain und rief der Mittagsfrau zu: „Ich fürchte mich nicht!“. „Auch vor mir nicht?“ Fragte die Mittagsfrau. „Nein, vor niemandem!“, antwortete das Mädchen.

Die Mittagsfrau sprach zu dem Mädchen: „Du gefällst mir und ich will dir dein Leben lassen, wenn du mir eine Stunde vom Flachs erzählen kannst.“

Das Mädchen dachte sich, warum sollte ich das nicht können und nahm sich vor, alles recht in die Länge zu ziehen.

Und so begann sie vom Flachs zu erzählen:

„Flachs macht dem Bauern sehr, sehr viel Arbeit. Bereits im Herbst wird der beste Acker für den Flachs ausgesucht, der Bauer ackert und eggt es, damit kein Unkraut darauf ist. Ist im Frühling der Schnee getaut, wird das Feld mit dem Spaten umgegraben und mit einem eisernen Rechen fein gekrümelt und glatt gerecht. Er muss so eben wie eine Tenne -Heu oder Strohboden der Scheune- sein. Nun wird nur der beste und reinste Samen ausgesät. Mädchen treten ihn in die Erde ein, Schritt für Schritt.

Manchmal kommt es auch vor, dass die Vögel die Samen picken oder Frost die Saat zerstört. Später im Frühling eilt die Bauersfrau zum Feld um Unkraut zu jäten. Dann blüht der Flachs schon bald und wenn gutes Wetter ist, wachsen die Stängel schön lang.

Und dann kommt die Ernte. Im Morgentau oder bei feuchtem Wetter raufen die Frauen und Mädchen den Flachs aus und breiten ihn auf dem Feld aus. Er darf aber nicht zu lange liegen, denn der Samen könnte sonst aus den braunen Köpfchen rinnen. Außerdem muss man ihn rechtzeitig wenden. Dann wird er in Bündel gebunden und in die Scheune gefahren.

Mit einem eisernen Kamm riffelt der Bauer die Köpfe von den Stängeln.
Der herrliche Samen wird dann aus ihnen gedroschen. Ihn mag niemand verkaufen. Sondern der Knecht fährt einmal in der Woche zur Ölmühle. Der Bauer braucht das Leinöl wie das täglich Brot. Man isst Kartoffeln und Leinöl, für Salat und Gurken braucht man es. Und natürlich ist nur ein Kuchen mit genügend Leinöl drin, ein richtig feiner Kuchen. Hat man alle Butter auf dem Markt in der Stadt verkauft, schmeckt es auch zum Brot.

Die gebündelten Flachsstängel werden etwa eine Woche in den Bach gelegt, um sie zu wässern. Danach wird der Flachs auf die Stoppelfelder gefahren und von den Frauen so aufgestellt, dass die Bündel unten recht weit auseinanderstehen. Oben werden sie mit einem Strohseil zusammengebunden. Nach einigen Tagen wird das Seil nach unten geschoben, damit der obere Teil auch austrocknen kann.

Wenn dann die kalten Herbstwinde über die Felder wehen, wird der Flachs in den Backofen (großer Dorfbackofen) gestellt, um zu dörren. Dann wird er gebrochen und gehechelt. Dabei fallen alle holzigen Teile als kleine Schuppen zur Erde. Die langen Fasern, das Werg, behält die Hausfrau in der Hand. Es wird zu Rocken zusammengebunden. Nun werden die Spinnräder vom Boden geholt und die jungen Mädchen treffen sich an langen Winterabenden in der Spinnstube zum spinnen und zur fröhlichen Unterhaltung. Das gesponnene Garn lässt man weben. Wenn dann im Frühling die Wiesen wieder grünen, wird das noch graue Leinen schneeweiß gebleicht.“

Die Zeit verging wie im Fluge und als das Mädchen mit seiner Erzählung fertig war, schlug die Uhr eins. Die Mittagsfrau sagte: „Du hast gewonnen, ich bin überwunden und einmal besiegt, kehre ich nie mehr zurück.“

Nach diesen Worten verschwand sie, ließ sogar ihre Sichel liegen und wurde von keinem Menschen mehr gesehen.

Solch „ökologischer Landbau“ mit Unkraut jäten, statt vergiften, ist in der heutigen Zeit wohl eher fast ein wirkliches Märchen. Vereinzelt laufen aber Versuche, diesen wieder zu etablieren. Wie in Hessen… HIER KLICKEN
Und in Museen kann man sich anschauen, wie er verarbeitet wird.

Und sage einer, Märchen wären nur unnütze Geschichten… bei diesem lernen Kinder und Menschen die damit nie zu tun haben oder hatten, so ganz nebenbei und unterhaltsam,

wie Flachs angebaut und verarbeitet wird. Wenn das „nichts“ ist!

Posted by regenbogenlichter

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