Willkommen unterm Regenbogen

Beiträge mit Schlagwort ‘Oberlausitz’

Fachgewerkelt….

Wir haben schon mehrmals über Umgebindehäuser in der Oberlausitz geschrieben…

Info Umgebindehaus>>>>>

Hier ist noch ein besonders schön restauriertes… mit Fachwerk im Obergeschoss… früher mal eine Gaststätte oder Dorfkneipe trifft es vielleicht besser… 😉

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Aber nicht alle Häuser haben noch einen Besitzer und sind somit dem Verfall preisgegeben. Schräg gegenüber…eine „scharfe Ecke“ 😉

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Von hinten…hier kann durch den Verfall, die Bauweise mit gestampften Lehm und Stroh noch gut erkennen… es gibt nicht mehr allzu viele Handwerker, die diese alten Techniken noch beherrschen.

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Und früher „hing“ ein Teil des Hauses mal über dem Bach. Zu sehen an den Granitsteinen unten…

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Die Fotos können wieder einzeln angeklickt und größer angeschaut werden.

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Wir „spinnen“ heute mal…

Herbst und Winter, die richtige Jahreszeit um Flachs zu spinnen (aber kein Stroh zu Gold) und Geschichten zu erzählen… 😉

Denn….

unser Besuch in Eibau und im Faktorenhof, brachte noch eine Erkenntnis…

Die Orte Eibau und Sonthofen haben etwas gemeinsam… sie haben beide den Flachs (Lein) im Wappen. Auch das Allgäu war früher (bis vor etwa 150 Jahren) „blau“, von den blauen Blüten des Flachses.
Die Bauern waren mit Anbau und Verarbeitung des Flachses beschäftigt. Ende des 18. Jahrhunderts gab es bereits eine „Globalisierung“ und billige Baumwolle aus Amerika und Ägypten verdrängte das Leinen.

Verarmung und bittere Not waren hier, ebenso wie in der Oberlausitz, die Folgen. Viele Familien wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus.

Aber findige Köpfe fanden eine neue Erwerbsquelle…

Mitte des 19. Jhd. führt Karl Hirnbein die gewerbliche Weichkäserei im Allgäu ein und begründet auch den Fremdenverkehr. Um ungefähr die gleiche Zeit bringt Johann Althaus die Emmentalerkäse-Herstellung nach Sonthofen und ermöglicht damit wie Karl Hirnbein, den Bauern wieder eine Einnahmequelle. Zu dieser Zeit sind die Viehmärkte in Sonthofen mit die grössten. Bis zu 6500 Stück Vieh werden gehandelt und zum Teil in wochenlangen Märschen bis nach Italien getrieben.
(Quelle Heimatdienst Sonthofen)

Hier das Wappen von Eibau…

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Und das Wappen von Sonthofen….

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(Quelle Wikipedia Commons)

Rechts sind zwei gekreuzte Nagelschmiedehämmer. Sie stehen für den Erzabbau am Grünten. Das gewonnene Erz wurde im Hüttenwerk Sonthofen verhüttet und von den Bauern als Nebenerwerb, in zahlreichen Nagelschmieden verarbeitet.

Erst als die Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts günstigeres Erz liefern konnte, versiegte auch diese Erwerbsquelle.

Auf dem Foto unten ist der „Grünten“. Auf seiner rechten Seite befinden sich die ehemaligen „Erzgruben“, heute ein Museum…

Im Vordergrund ist der Wasserskilift, zwischen Blaichach und Immenstadt gelegen.

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Wie der Flachs angebaut, verarbeitet und wofür es verwendet wird, erzählt das Märchen von der “ besiegten Mittagsfrau“, aus der Lausitz.

Die Mittagsfrau ist ein Naturgeist aus der slawischen Sagenwelt.

Die Sage entstand vermutlich, weil viele Mägde und Knechte in der Mittagshitze auf das Feld geschickt wurden und bei der Arbeit einen Hitzeschaden erlitten.

Das Märchen für unsere Leser nacherzählt….

Die besiegte Mittagsfrau

Ein Mädchen hatte beim Flachs jäten die Mittagsglocke nicht gehört und sich verspätet. Auf einmal stand die Mittagsfrau hinter ihm und hob bereits die Sichel, um es zu töten.

Schnell sprang das Mädchen auf, raffte ebenfalls eine Sichel vom Feldrain und rief der Mittagsfrau zu: „Ich fürchte mich nicht!“. „Auch vor mir nicht?“ Fragte die Mittagsfrau. „Nein, vor niemandem!“, antwortete das Mädchen.

Die Mittagsfrau sprach zu dem Mädchen: „Du gefällst mir und ich will dir dein Leben lassen, wenn du mir eine Stunde vom Flachs erzählen kannst.“

Das Mädchen dachte sich, warum sollte ich das nicht können und nahm sich vor, alles recht in die Länge zu ziehen.

Und so begann sie vom Flachs zu erzählen:

„Flachs macht dem Bauern sehr, sehr viel Arbeit. Bereits im Herbst wird der beste Acker für den Flachs ausgesucht, der Bauer ackert und eggt es, damit kein Unkraut darauf ist. Ist im Frühling der Schnee getaut, wird das Feld mit dem Spaten umgegraben und mit einem eisernen Rechen fein gekrümelt und glatt gerecht. Er muss so eben wie eine Tenne -Heu oder Strohboden der Scheune- sein. Nun wird nur der beste und reinste Samen ausgesät. Mädchen treten ihn in die Erde ein, Schritt für Schritt.

Manchmal kommt es auch vor, dass die Vögel die Samen picken oder Frost die Saat zerstört. Später im Frühling eilt die Bauersfrau zum Feld um Unkraut zu jäten. Dann blüht der Flachs schon bald und wenn gutes Wetter ist, wachsen die Stängel schön lang.

Und dann kommt die Ernte. Im Morgentau oder bei feuchtem Wetter raufen die Frauen und Mädchen den Flachs aus und breiten ihn auf dem Feld aus. Er darf aber nicht zu lange liegen, denn der Samen könnte sonst aus den braunen Köpfchen rinnen. Außerdem muss man ihn rechtzeitig wenden. Dann wird er in Bündel gebunden und in die Scheune gefahren.

Mit einem eisernen Kamm riffelt der Bauer die Köpfe von den Stängeln.
Der herrliche Samen wird dann aus ihnen gedroschen. Ihn mag niemand verkaufen. Sondern der Knecht fährt einmal in der Woche zur Ölmühle. Der Bauer braucht das Leinöl wie das täglich Brot. Man isst Kartoffeln und Leinöl, für Salat und Gurken braucht man es. Und natürlich ist nur ein Kuchen mit genügend Leinöl drin, ein richtig feiner Kuchen. Hat man alle Butter auf dem Markt in der Stadt verkauft, schmeckt es auch zum Brot.

Die gebündelten Flachsstängel werden etwa eine Woche in den Bach gelegt, um sie zu wässern. Danach wird der Flachs auf die Stoppelfelder gefahren und von den Frauen so aufgestellt, dass die Bündel unten recht weit auseinanderstehen. Oben werden sie mit einem Strohseil zusammengebunden. Nach einigen Tagen wird das Seil nach unten geschoben, damit der obere Teil auch austrocknen kann.

Wenn dann die kalten Herbstwinde über die Felder wehen, wird der Flachs in den Backofen (großer Dorfbackofen) gestellt, um zu dörren. Dann wird er gebrochen und gehechelt. Dabei fallen alle holzigen Teile als kleine Schuppen zur Erde. Die langen Fasern, das Werg, behält die Hausfrau in der Hand. Es wird zu Rocken zusammengebunden. Nun werden die Spinnräder vom Boden geholt und die jungen Mädchen treffen sich an langen Winterabenden in der Spinnstube zum spinnen und zur fröhlichen Unterhaltung. Das gesponnene Garn lässt man weben. Wenn dann im Frühling die Wiesen wieder grünen, wird das noch graue Leinen schneeweiß gebleicht.“

Die Zeit verging wie im Fluge und als das Mädchen mit seiner Erzählung fertig war, schlug die Uhr eins. Die Mittagsfrau sagte: „Du hast gewonnen, ich bin überwunden und einmal besiegt, kehre ich nie mehr zurück.“

Nach diesen Worten verschwand sie, ließ sogar ihre Sichel liegen und wurde von keinem Menschen mehr gesehen.

Solch „ökologischer Landbau“ mit Unkraut jäten, statt vergiften, ist in der heutigen Zeit wohl eher fast ein wirkliches Märchen. Vereinzelt laufen aber Versuche, diesen wieder zu etablieren. Wie in Hessen… HIER KLICKEN
Und in Museen kann man sich anschauen, wie er verarbeitet wird.

Und sage einer, Märchen wären nur unnütze Geschichten… bei diesem lernen Kinder und Menschen die damit nie zu tun haben oder hatten, so ganz nebenbei und unterhaltsam,

wie Flachs angebaut und verarbeitet wird. Wenn das „nichts“ ist!

Posted by regenbogenlichter

Tag der „offenen“ Tür… ;-)

Die Tür des Wohngebäudes vom Eibauer Faktorenhof,  haben wir uns extra für den 10. Oktober „aufgehoben“…

Warum, erklären wir dann gleich noch…. aber erst mal die Tür…

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Die Aufsteller stören leider etwas, aber wenn sie nicht draußen sind, ist geschlossen und man kann das Museum nicht anschauen.

Das auf dem Schlussstein des reich verzierten Korbbogenportals befindliche Monogramm zeigt neben den Initialen des Baumeisters einen Anker.

Dieser Anker ist ein Hinweis darauf, dass der Auftraggeber und Bauherr, der Leinwandhändler Christian Zentsch, überseeische Handelsgeschäfte betrieb.

(Quelle: Offizielle Website vom Eibauer Faktorenhof)

Die Fenstergitter sind nach Florentiner Art geschmiedet….

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Der Raum auf dem nächsten Foto ist der Grund, warum wir den Artikel genau heute posten.

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Im Faktorenhof ist auch das Standesamt untergebracht, gegenüber ist in der alten Scheune ein Restaurant und das Paar kann auch dort in der Hochzeits-Suite „Schwalbennest“ übernachten.

Hochzeit ist das richtige Stichwort, denn der Initiator von „Türen der Welt“,

KALLE,

hatte genau heute vor drei Jahren seinen großen Tag…allerdings nicht im Faktorenhof. 😉

♥ Ihr lieben Heidelberger ♥ 

Zu euerm 3. Jahrestag alles Liebe, habt einen ganz schönen Tag und noch viele gemeinsame, glückliche Jahre!

Habt lieben Dank, dass ihr diesen wundervollen Tag mit uns geteilt habt. Wir denken heute noch gerne daran! ♥ 

Und… „Für euch soll`s rote Rosen regnen“… wenn ihr in unsere weißen Rosen klickt, hört ihr das Original! 🙂

Oder soll es lieber „Somewhere over the rainbow“ sein, das gibt es bei uns auch… es ist unter… „Leben unterm Regenbogen“ zu finden.

♥liebdrück♥  Ute, Andreas und Moshe.

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 Die Fotos können wieder angeklickt und größer angeschaut werden.

Unser Beitrag für…

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Der Faktorenhof Eibau…Perle des ländlichen Barock…

Kürzlich haben wir über das Umgebindehaus (Hier klicken zum Artikel über das Umgebindehaus)   geschrieben, in denen auch Hausweber ihre Webstühle stehen hatten und Leinen gewebt haben.

Zuerst kauften die Weber das Garn selbst und verkauften das Leinen auf dem Markt. Später gab es Faktoreien, mit einem „Verleger“ und Leinwandhändler, für den die Weber arbeiteten und von dem sie das Garn kauften.

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Auftraggeber und Bauerherr vom Eibauer Faktorenhof (einem Dreiseithof) war der Leinwandhändler Christian Zentsch. Das Wohngebäude wurde 1717 erbaut.

Die Ausstattung und Ausgestaltung lassen den ehemaligen Reichtum ahnen.

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Im Wohnhaus befindet sich jetzt unter anderem das Heimatmuseum und es ist sehr lohnenswert, sich das Museum und die Räume anzuschauen!!!

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Die Delfter Motive im reich bemalten Hauptzimmer des Obergeschosses, deuten auf Handelsbeziehungen ins Ausland und nach Übersee hin.

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Decken und Wandmalereien erzählen von „geholten“ Schätzen und Handelszielen. Und Segenssprüche unterhalb der mit floralen Ornamenten bemalten Balkendecke,

sollen vom Fleiß des Hausherren künden und ihn beschützen.

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Dieses Wohnhaus hat eine überaus reiche Ausstattung.

Den Webern allerdings, die ihr Leinen in der Faktorei ablieferten, und somit den Reichtum begründeten, ging es weniger gut.

Sie verdienten sehr wenig und es ging ihnen ähnlich wie den schlesischen Webern unweit davon, die 1844  einen Aufstand gegen die sozialen Misstände wagten.

Vorher gab es schon wesentlich heftigere, dieser wurde nur von den „Medien“ am meisten beachtet.

Die völlig verarmten Leine-Weber, hatten vorher vergeblich beim König und bei der Kirche, um Hilfe gegen die ungerechte Bezahlung durch die Verleger und Hunger und Armut ersucht.

Denn selbst sehr lange Arbeitszeiten und die Mitarbeit ihrer Kinder, konnte ihre Lage nicht verbessern.

Denn durch die nur unvollständige „Bauernberfreiung“, auf Grund der Annektierung der schlesischen Provinz durch den preußischen König Friedrich, mussten viele noch Abgaben an Lehnherren und Kirche zahlen.

Dazu kam die billige „Maschinenarbeits-“ Konkurrenz aus dem Ausland, zum Beispiel aus England.

Heinrich Heine beschreibt das Befinden der Weber, den Aufstand und die gesellschaftlichen Misstände, in seinem dramatischen Gedicht: „Die schlesischen Weber“.

Und er hatte wohl richtig erkannt, dass sich in Deutschland eine Veränderung anbahnt, die dann 1848 auch kam.

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt –
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie die Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nun gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!
(Heinrich Heine, 1844)

Das Preußisch Königliche Kammergericht Berlin, verbot das Gedicht wegen des aufrührerischen Tones. Ein Rezitator, der es 1846 wagte, dieses Gedicht trotzdem öffentlich vorzutragen, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Anmerkung: Den Arbeitern bei der englischen Billigkonkurrenz und anderswo, erging es nicht besser!
Und wie Klaus richtig anmerkt, in anderen Dimensionen, kann man durchaus Parallelen in die heutige Zeit ziehen.
Wieder können Menschen von ihrem Lohn nicht leben, zumindest in Deutschland durch Aufstockung vom Staat etwas abgefedert.
(Leider auch mit Steuergeldern die Gewinne vergrößert….).
Woanders nicht! Von den Lebensbedingungen bei der heutigen Billig-Konkurrenz in Asien gar nicht zu sprechen!

Die Geschichte scheint sich immer zu wiederholen. Deswegen ist es auch wichtig, die Geschichte zu kennen und vor allem Lehren aus ihr zu ziehen!

Ein Haus mit „Umgebinde“….

Heute möchten wir mal den Eingang und die Tür von einem „Umgebindehaus“ zeigen…

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Foto zum Vergrößern anklicken…

Umgebindehäuser sind in Europa einmalig… ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Oberlausitz bis zur sächsischen Schweiz, Niederschlesien und Nordböhmen.

Im Untergeschoß ist die „Blockstube“ (gleich einem Holzkasten) …sie ist von der übrigen Konstruktion getrennt. Das Obergeschoss (oder Dach) ruht auf auf einem „Tragwerk“ (den Balken) und die Blockstube ist hineingebaut.

Das Tragwerk/Stützkonstruktion wird Umgebinde genannt. Die heute noch erhaltenen Umgebindehäuser, stammen meist aus der Zeit nach 1700.

Wie genau das „Umgebinde“ entstanden ist, ist leider nicht bekannt. Fest steht nur, als fränkische Siedler im 12. und 13. Jahrhundert in die Oberlausitz kamen, fanden sie die slawische Blockbauweise vor. Sie kombinierten sie mit dem fränkischen Fachwerk und erfanden dabei die Umgebindekonstruktion.

Bei diesem Haus ist das Fachwerk mit Schiefern abgedeckt. Auch typisch für viele Häuser dort.

Diese und noch ausführlichere Informationen, Fotos, auch mit Fachwerk, eine Karte und ein 3 D-Modell, das man „auseinandernehmen“ kann,

sind bei der Website   „Umgebindeland“… hier klicken    zu finden.

Das ist unser Beitrag für Kalles

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Leuchtend gelbe Impressionen vom „Urlaub“ bei meiner Mutter…

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